Virtuelles Geld
Die Zahl der Internetnutzer ist in den letzten Jahren stark angestiegen und immer mehr Menschen entdecken die Möglichkeiten des Internets. So präsentieren sich auch immer mehr Unternehmen mit einer eigenen Seite im Netz und können auf diese Weise kostengünstig ihre Produkte und Leistungen einem breiten Publikum anbieten. Eine Lieferung der Produkte kann auf diese Weise viel schneller erfolgen; dies trifft vor allem auf Güter wie Software, Videos und Informationen zu.
Viele Unternehmen haben sich lange Zeit gegen den Produktverkauf gestellt, da ein Problem spätestens bei der Zahlung auftrat. In früheren Zeiten war eine Zahlung lediglich per Scheck, Überweisung oder Nachnahme möglich, so dass viele Kunden aufgrund der geringen Möglichkeiten der Zahlungsarten vom Kauf abwiechen. Einige Unternehmen boten auch für anfänglich andere Zwecke entwickelte Bezahlsysteme an, die allerdings eine Akkreditierung (Bestätigung durch eine dritte Stelle) bei Kreditkartengesellschaften erforderten. Dabei ist zu beachten, dass durch dieses Bezahlsystem, viele Kunden ebenfalls vom Kauf abwiechen und für das Unternehmen hohe Transaktionskosten entstanden und Gutschriften erst mit enormen zeitlichen Verzug verbucht werden konnten.
Um auf das Internet als Vertriebsmedium zurückgreifen zu können, brauchen sowohl Unternehmen als auch Kunden ein handhabbares Bezahlsystem, dass selbst für Kleinstbeträge Sicherheit und Datenschutz garantieren kann.
Ein solches Bezahlsystem stellen sogenannte Micro Payments dar; nachfolgend sollen die bisher in Deutschland wichtigsten eingesetzen Micro Payment-Systeme näher erläutert werden.
E-Cash
E-Cash ist eine Digitalwährung, die von dem niederländlischen Unternehmen DigiCash entwickelt wurde; DigiCash wurde von David Chaum gegründet. Dieses Verfahren stützt sich auf ein rein Software-basiertes elektronisches Zahlungssystem mit digitalen Objekten, die einen entsprechenenden Wert darstellen. Diese Objekte werden generiert und auf dem Rechner des Kunden abgelegt. Belastete Buchgeldbeträge werden parallel auf einem internen Banksammelkonto verrechnet. Diese werden zu einem späteren Zeitpunkt zugusten der Konten des Ecash einlösenden Anbieters gutgeschrieben.
CyberCash und CyberCoin
Bei diesem Verfahren, dass von der amerikanischen Fima CyberCash entwickelt wurde, werden die gesamten Informationen über die Zahlung verschlüsselt über das Internet gesendet. Für den Kunden hat dies den Nutzen, dass dieser keine umfangreiche Registierungen vornehmen muss. Allerdings müssen sich die Händler, die das CyberCash-Verfahren nutzen wollen, bei CyberCash oder bei einer mit CyberCash kooperierenden Bank registieren. Cyber Cash kombiniert eine Vielzahl von Zahlungsinstrumenten (Kreditkarten, edd [electronic direct debit], CyberCoin). CyberCash stellt für den Nutzer eine kostenlose Software (auch als Wallet) und für den Händler eine spezielle Händler-Software (Cash-Register) zur Verfügung. Die Händler-Software regelt auf der einen Seite die Kommunikation zwischen der Nutzer-Software und der Händlersoftware und auf der anderen Seite die Steuerung zwischen dem Händlersystem und dem Bankserver bzw. CyberCash-Server.
Dieses Verfahren wurde zwischenzeitlich wieder eingestellt.
T-Online
Ein weiteres Verfahren ist das Inkassosystem der Deutschen Telekom AG für den Online-Dienst „T-Online-Classic“ (früher als BTX bezeichnet). Die Gebühren werden über die monatliche Telefonrechnung verbucht. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass Anbieter und Kunden Vertragsbeziehungen mit einem identischen Internetprovider unterhalten. Dieses System hat sich jedoch in der Praxis als wenig praktikabel erwiesen.
Millicent
Dieses Verfahren wird von der Firma Digital Equipment vorangetrieben; dieses Unternehmen ist vor allem duch die Suchmaschine AltaVista bekannt geworden. Millicent erlaubt Zahlungsvorgänge, bei denen nur sehr geringe Transaktionsskosten entstehen. Millicent stellt ein Account-basiertes, auf eine gewisse Zeitdauer beschränktes Verfahren dar, bei denen der Händler die Verwaltung der Kundenaccounts vornimmt. Der Kunde eröffnet ein Millicent-Account bei dem Händler, hinterlegt einen gewissen Geldbetrag und bekommt zum Ausgleich eine verschlüsselte Nachricht, die den Account bzw. Kunden identifiziert, den Kontostand sowie das Verfallsdatum des Kontos beinhaltet.
Neben der Aufzählung dieser Verfahren exisiteren noch eine Reihe weiterer Verfahren, die aber über den Rahmen dieser Erläuterung hinausgehen. Viele Bezahlsysteme zum virtuellen Geld sind entweder noch in der Erprobungsphase oder wurden bereits abgeschaltet. Damit sich ein einheitliches System durchsetzen kann, müssen sich große Unternehmen und Unternehmen mit viel Kapital am Markt durchsetzen. Folglich kann man sagen, dass auch die virtuelle Welt durch Geld regiert wird.
Quellen:
http://www.networds.de/cgi-bin/n2dbi_sel_anzeige.pl?sword=millicent
Muhl, P: Virtuelles Geld, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, u.a. 2001
Sandig, K.: Die Geschichte des virtuellen Geldes, in: Thießen, F. (Hrsg.): Bezahlsysteme im Internet, Frankfurt am Main 1999
Stolpman, M.: Elektronisches Geld im Internet, Köln 1997 Sietmann, R.: Electronic Cash, Stuttgart 1997