Das virtuelle Zahlungsmittel im Internet


Anleitung für Definition, Aufbau und Verwaltung

Executive Summary

Das Internet ist ein neues Medium mit eigenen Wirkungsmechanismen und Strukturen. Die Kaufprozesse laufen nach einem anderen Ritual ab als im traditionellen Handel. Ein Zahlungsmittel hat sich dem Prozess anzupassen. Eine Analyse der bisherigen Versuche zur Einführung virtueller Zahlungsmittel offenbart die Unzulänglichkeit der Ansätze.

In der Real Economy werden Zahlungsmittel von Zentralbanken konzipiert, in Umlauf gebracht und kontrolliert. Für den iCommerce - die Wirtschaft im Internet - reicht es nicht aus, die Spezifikationen des Zahlungsmittels anzupassen. Der iCommerce bringt eine eigene Definition mit, aus der sich folgerichtig nur eine Möglichkeit für ein Zahlungsmittel im Internet ergibt.

Ein auf das Medium zugeschnittenes Zahlungsmittel unterstützt die Kaufprozesse, indem es aus allen angebotenen Funktionen des Geldes der Real Economy nur die Tauschfunktion realisiert. Das Medium für den iCommerce - das Internet - ist interaktiv, international und hat multilaterale Beziehungsknoten. Unbekannte Teilnehmer treffen aufeinander mit der Erwartung, ein Handelsgeschäft erfolgreich und ohne Risiko abzuwickeln. Damit ist es nicht ausreichend, den reinen Zahlungsprozess verläßlich zu unterstützen, wenn der Handel fehl schlägt.

Das virtuelle Zahlungsmittel steht in direktem Zusammenhang mit dem Handelsgeschäft. Analog zu den Bankkonten, die den Kreislauf des elektronischen Geldes der Real Economy abbilden, werden im Internet iCommerce Konten für jeden Teilnehmer eingerichtet. Sie führen neben den Informationen des Handelsgeschäftes auch den Bestand des virtuellen Zahlungsmittels. Die Buchung zwischen den iCommerce Konten ist der Transfer des Zahlungsmittels. Wie in der Real Economy ist das Zahlungsmittel identisch mit der Identifikation des Teilnehmers. Die Einführung des Zahlungsmittels ist im wesentlichen eine Marketingaufgabe.

Zentralbanken können für sich in Anspruch nehmen, das virtuelle Zahlungsmittel herauszugeben und zu kontrollieren. Für den Erfolg ist das jedoch keine notwendige Bedingung. Ein Kreditkartenunternehmen, eine Handelsplattform im Internet, ein großer Provider - wie AOL, ein weltweites Marketingunternehmen - wie Microsoft, oder sogar ein einzelner Staat, kommen ebenso als Herausgeber und Verwalter in Frage. Wer immer der Initiator und Betreiber des virtuellen Zahlungsmittels ist, er wird den iCommerce kontrollieren.

Der vorliegende Beitrag geht von einer Analyse des Istzustandes aus und beschreibt den logischen Zielzustand. Inwieweit dieser Zielzustand Wirklichkeit wird, hängt nicht nur von ökonomischen Faktoren ab. Die Zukunft braucht eine aktive Strategie und unternehmerische Initiative. Jedenfalls hat die vorgestellte Vision eine hohe Wahrscheinlichkeit und kann mit heutigen Mitteln der Datenbanken und der Internettechnik aufgebaut werden. Denn es ist so, wie immer: Die Zukunft, die uns gegeben ist, müssen wir selbst erschaffen.

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