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Das keynesianische System

Inhaltsverzeichnis

1 Historischer Hintergrund

2 Die Theorie

2.1 Einleitung in die Theorie

2.2 Die Konsumfunktion

2.3 Das keynesianische Kreuz

2.4 Das keynesianische Modell

3 Fazit und Kritik


 

1 Historischer Hintergrund

Keynes Grundidee für die Entwicklung seiner Theorie entstand Anfang der dreißiger Jahre in der Weltwirtschaftskrise.

Die Nationalökonomen gingen bis dahin davon aus, dass die wirtschaftlichen Krisen durch die Selbstheilungskräfte des Marktes beseitigt werden. Bei dieser Annahme gab es keinen Grund für staatliche Eingriffe in die Gesamtwirtschaft, da es dem Markt mit der Zeit selbst gelingen soll, wieder in ein Gleichgewicht zu finden.

Doch trotz der kontinuierlich sinkenden Löhne stellte sich kein neues Gleichgewicht im wirtschaftlichen System ein. Der Zustand besserte sich nicht und die Unterbeschäftigung der Arbeiter hielt sogar noch weiter an, deshalb veröffentlichte John Maynard Keynes 1936  sein Werk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ indem er die klassische Hoffnung auf Selbststabilisierung des Systems auslöscht und mögliche Ursachen für die lang anhaltende Wirtschaftskrisen formuliert hat.

 

2 Die Theorie

Keynes Theorie ist sehr vielseitig und umfassend, deswegen werde ich im folgenden auf die Konsumfunktion, das keynesianische Kreuz und das keynesianische Modell auch IS-LM-Modell genannt, näher eingehen.

 

2.1 Einleitung

Die Klassiker hatten gelehrt, dass ein Unternehmer immer dann produziert, wenn die Kosten für Arbeit und Kapital niedrig genug waren. Demnach ist der Absatz der produzierten Ware gewährleistet, denn nach dem Sayschen Theorem findet jedes Gut zu jeder Zeit einen Abnehmer.

Keynes leitet für sich ab, dass ein Unternehmer nur dann produziert, wenn er glaubt, seine Güter auch in Zukunft noch absetzen zu können. Daraus schließt er für sein Wirtschaftsmodell, dass der wirtschaftliche Erfolg nicht von dem Angebot sondern von der Nachfrage abhängig ist und deshalb in Zukunft die Nachfrageseite gestärkt werden muss, um einen wirtschaftlichen Aufschwung zu erzielen. Problem war, das fehlende Einkommen der Haushalte, wegen der kontinuierlich sinkenden Löhne. Es kam zu einer enormen Sparsamkeit der Haushalte, die wiederum zu wachsenden Nachfragelücken führte.

Seine Überlegung war die Nachfrageseite anzukurbeln, denn wenn die Nachfrage steigt, werden die Unternehmen mehr produzieren. Um mehr produzieren zu können brauchen die Unternehmen mehr Arbeiter, die dadurch wieder mehr Einkommen erhalten. Die Haushalte werden bei mehr Einkommen auch mehr konsumieren, was erneut die Nachfrage nach Gütern ankurbelt. Es kommt zu einer Kettenreaktion, die auch bekannt ist unter dem keynesschen „Einkommensmultiplikator“, der besagt, dass bei einer zusätzlichen Investition das gesamtwirtschaftliche Einkommen um ein Mehrfaches ansteigt.

Für Keynes war es deshalb extrem wichtig, dass der Staat die Wirtschaft durch politische Maßnahmen, wie Investitionen, unterstützt und die wirtschaftliche Entwicklung steuert.

 

2.2 Konsumfunktion

Die Konsumfunktion beschreibt den Zusammenhang zwischen Konsum und Einkommen, denn nach Keynesianischer Ansicht ist das Einkommen, welches die Haushalte beziehen, die wichtigste Größe für die Konsumentscheidungen.

Da der private Konsum auf eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen eingeht, wirken weitere Einflussfaktoren, wie Bevölkerungsgröße, Einkommensverteilung, Altersaufbau, Veränderung des Preisniveaus oder Prestigedenken.

Diese Determinanten sind allerdings eher wenig variabel und gleichen sich im Durchschnitt der Haushalte weitgehend aus, sodass Keynes sie vernachlässigt, damit bezieht er sich auf die Ceteris-paribus-Klausel.

Nach Ausschluss aller denkbaren Einflussgrößen lautet die Konsumfunktion allgemein:

                                                 C = C(Y)

 

Diese Gleichung veranschaulicht den Sachverhalt, dass bei steigendem Einkommen der Konsum zu nimmt und umgekehrt.

Um die Konsumfunktion weiter analysieren zu können muss zunächst die Konsumgewohnheit exakt definiert werden. Bezieht man die gesamten Konsumausgaben auf das Volkseinkommen, so erhält man die durchschnittliche Konsumquote (c). Wenn man allerdings die Veränderung der Konsumquote ins Verhältnis zur Einkommensveränderung setzt, so ergibt sich die marginale Konsumneigung (c´). Die marginale Konsumneigung ist die Steigung der Konsumfunktion.

Formeln

Eine weitere Eigenschaft des Konsumverhaltes betrifft den sogenannten autonomen Konsum (Ca) oder auch Basiskonsum. Er beschreibt die Konsumausgaben der Haushalte, die unabhängig von ihrem Einkommen getätigt werden, damit Grundbedürfnisse wie zum Beispiel für Nahrungsmittel gedeckt werden können. Daraus folgt, dass der autonome Konsum immer größer als Null sein muss (Ca > 0), weil selbst wenn man kein verfügbares Einkommen hat, müssen die Grundbedürfnisse gedeckt werden.


Der Konsum der Haushalte ergibt sich demnach aus dem autonomen Konsum (Ca) und dem verfügbaren Einkommen (Y) multipliziert mit der marginalen Konsumneigung (c´).

                                            C(Y) = Ca + c´ Y

 

Die Aussage, dass der Konsum bei steigendem Einkommen zunimmt, ist leicht nachvollziehbar, denn dies resultiert aus der allgemeinen Lebenserfahrung.

Keynes nimmt an, dass der Konsumzuwachs geringer ausfällt, als der Einkommenszuwachs, die marginale Konsumneigung also größer Null und kleiner als Eins (0<c<1) ist und die marginale Konsumneigung fällt.

Keynes nennt es ein „fundamental psychologisches Gesetz“, das besagt, dass die privaten Konsumausgaben mit steigendem Einkommen nur unterproportional zunehmen.

In der Praxis bedeutet das, dass die Haushalte nicht ihr gesamtes Einkommen ausgeben sondern einen Teil sparen. Dieser Anteil von Konsumausgaben sinkt immer weiter, je größer das Einkommen wird, damit kommt es zur Sättigungsgrenze auf dem Gütermarkt, wie die folgende Abbildung zeigt:

 

Sättigungsgrenze Gütermarkt

Die gestrichelt gezeichnete 45°-Linie entspricht der sogenannten Einkommenslinie, sie bildet auf Dauer die Obergrenze für den Konsum.

Der vertikale Abstand zwischen der Einkommenslinie und der Konsumfunktion  ermittelt den jeweiligen Sparwert bei einem bestimmten Einkommen (Y).

Verläuft die Konsumfunktion oberhalb der Einkommenslinie bedeutet das, dass mehr für Konsum ausgegeben wird, als man eigentlich durch das Einkommen bezahlen könnte. Deshalb ist das Sparen negativ, was wiederum bedeutet, dass vorhandene Ersparnisse aufgelöst werden müssen.

An dem Punkt, in dem sich die Einkommenslinie mit der Konsumfunktion schneiden, ist die durchschnittliche Konsumquote gleich Eins (c=1). Somit wird an dieser Stelle das Einkommen vollständig für den Konsum ausgegeben.

 

2.3 Das keynesianische Kreuz

Das Keynesianische Kreuz oder auch Einkommen-Ausgaben-Modell genannt beschreibt den Zusammenhang zwischen Einkommen und Ausgaben.

Die Gleichgewichtsbedingung entspricht der 45°-Linie in der Abbildung. Wenn gilt C>Y dann gibt es eine Angebotslücke, denn die Haushalte konsumieren mehr, als die Unternehmen herstellen, das bedeutet es kommt zu einem ungeplanten Lagerabbau. Um in Zukunft diesen ungeplanten Lagerabbau zu vermeiden, erhöhen die Unternehmen die Produktion, somit steigt Y an.

Wenn allerdings gilt C<Y, dann kommt es zu einem ungeplanten Lageraufbau, weil der Konsum geringer ist als die Produktion. Um diese überflüssigen Lagerinvestitionen zu vermeiden, verringern die Unternehmen ihre Produktion und Y sinkt.

Beim gleichgewichtigen Einkommen (Y1) entsprechen die tatsächlichen Ausgaben den geplanten, sodass sich die Wirtschaft an diesem Schnittpunkt im Gleichgewicht befindet. Demnach gibt es für die Unternehmen keinen Anlass dazu die Produktion und damit die Beschäftigung zu verändern.

 

Keynesianisches Kreuz

 

2.4 Das keynesianische Modell

Das keynesianische Modell wird auch als IS-LM-Modell bezeichnet. Es befasst sich mit dem gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichten der Volkswirtschaft. Für dieses Modell besteht sowohl aus der Gleichgewichtskurve des Gütermarktes (IS-Kurve) als auch aus dem Gleichgewicht des Geldmarktes (LM-Kurve).

Die IS-Kurve, oder auch Gütermarktgleichgewichtskurve stellt alle möglichen Kombinationen von Zins und Volkseinkommen dar, bei denen sich der Gütermarkt im Gleichgewicht befindet.

Deshalb stimmen auf der IS-Kurve die Pläne der Haushalte mit denen der Unternehmen überein und alle Pläne können reibungslos umgesetzt werden.

IS-Kurve

Existiert eine Einkommens-Zins-Kombination außerhalb der IS-Kurve, besteht ein Ungleichgewicht des Gütermarktes.

Oberhalb der IS-Kurve gilt I<S, diese Situation wird von Keynes auch als deflatorische Lücke oder Kontraktionslücke bezeichnet. Es gibt ein Überschussangebot bzw. eine Nachfragelücke, da von den Haushalten weniger Konsumiert wird, als von den Unternehmen produziert wurde. Um nun wieder in das Gleichgewicht zu gelangen ist es notwendig, dass die Haushalte weniger Sparen, dafür aber mehr investieren. Dies wird erreicht, wenn die Unternehmen ihre Produktion verringern und deshalb ihre Arbeiter schlechter entlohnen können. So kommt es dazu, dass die Haushalte über weniger Einkommen verfügen und deshalb auch weniger Sparen können. Somit wird sich dem Gleichgewicht der Wirtschaft wieder angenähert (I=S).

In dieser modellhaften Darstellung muss sich das Sparverhalten ändern, denn sonst würde das sinkende Einkommen auch zu einer Verringerung des Konsums führen.

Unterhalb der IS-Kurve gilt I>S, diese Situation bezeichnet Keynes auch als inflatorische Lücke oder expansive Lücke. Das bedeutet, im wirtschaftlichen System gibt es eine Überschussnachfrage. Hier wird viel konsumiert, beziehungsweise weniger gespart. Solange bis die inflatorische Lücke wieder durch Preiserhöhungen Richtung Gleichgewicht (I=S) strebt und die Sparsamkeit wieder zunimmt. Nach Keynesianischer Auffassung ist die Herstellung des Gleichgewichtes am ehesten durch eine Anpassung des Einkommens zu erreichen, da er davon ausgeht, dass das Sparverhalten vom Einkommen abhängig ist.

 

Die LM-Kurve, oder auch Geldmarktgleichgewichtskurve stellt alle möglichen Kombinationen von Zins und Volkseinkommen dar, bei denen sich der Geldmarkt im Gleichgewicht befindet.

LM-Kurve

Existiert eine Einkommens-Zins-Kombination außerhalb der LM-Kurve, liegt ein geldwirtschaftliches Ungleichgewicht vor.

Links von der LM-Kurve gilt L<M, in dieser Situation wird die Geldmenge (=Geldangebot) nicht vollständig für Transaktion – und Spekulationszwecke genutzt, sondern es steht zum Beispiel einer Nachfrage von 50 ein Einkommen von 100 gegenüber. Um die Kurve wieder in das Gleichgewicht (L=M) zu bringen, muss es zu einem Einkommensanstieg in Verbindung mit einem Zinsrückgang kommen. Nach Keynesianischer Auffassung allerdings ist die Anpassung des Zinses wahrscheinlicher als die Veränderung des Einkommens.

Beim umgekehrten Fall, rechts von der LM-Kurve, gilt L>M.  In diesem Fall muss das Einkommen verringert und der Zins erhöht werden, um sich dem Gleichgewicht (L=M) wieder anzunähern.

Ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht liegt dann vor, wenn die Gleichgewichtsbedingung auf dem Gütermarkt und die Gleichgewichtsbedingung auf dem Geldmarkt gleichzeitig erfüllt sind.

IS-LM-Kurven

 

3 Fazit und Kritik

Keynes ist es gelungen, den Blick mal auf die Nachfrageseite zu lenken, anders als bei dem klassischen Modell. Er zeigt, wie die Wirtschaftspolitik mit Hilfe des Staates Tiefstände überwinden kann.

Das Problem ist allerdings, dass sich die Wirtschaftssubjekte auf die Unterstützung des Staates einstellen könnten und ihre eigene Verantwortung aus den Augen verlieren. Sodass es nicht bei einem einmaligen Eingriff des Staates bleiben würde. Auf Dauer könnte dies zu hohen Staatsschulden führen, die möglicherweise mit Steuererhöhungen beglichen werden könnten.

Ein weiterer Kritikpunkt ist der sogenannte Crowding-Out-Effekt (Verdrängungseffekt), der besagt, dass die staatliche Nachfrage die private Kreditnachfrage verdrängt, obwohl die privaten Investitionen wesentlich effektiver wären.

Abschließend kann man festhalten, dass Keynes Modell einige Schwäche enthält, aber er hat es geschafft, die Sichtweise der Wirtschaftssubjekte auf andere Faktoren, wie die Nachfrage zu lenken, deshalb ist er aus der weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr wegzudenken.

 

4 Quellenangaben:

[1]   G. Mussel: Einführung in die Makroökonomik, 10.Auflage, Verlag Franz Vahlen München, 2009

[2] G. Sieg: Volkswirtschaftslehre, Oldernbourg Wissenschaftsverlag GmbH, München, 2007

[3]   www.wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/is-lm-modell.html

[4]   http://www.economia48.com/deu/d/keynessche-lehre/ keynessche-lehre.htm

[5]   www.vorlesungen.info

[6]   www.wirtschaftslexikon24.net

[7]   http://wiwi.uni-giessen.de/dl/down/open/Scherf/998801f2d7be1129630c2c5123d6949c53177fd0210a6409b4bdadcfe906a851acaa5fe b7e7eb19f54a929d84dec71f0/Keynes.pdf

[8]   http://de.wikipedia.org/wiki/John_Maynard_Keynes