Virtueller Marktplatz / elektronischer Marktplatz
Was ist ein virtueller Marktplatz?
Unter dem Begriff virtueller Marktplatz oder auch elektronischer Marktplatz versteht man die Bedarfsbündelung einer oder vieler Unternehmen gegenüber Lieferanten. Ein virtueller Marktplatz wird von einem (Intermediär) oder mehreren Marktanbietern (Konsortium) betrieben. Diese stellen alle Funktionen und Strukturen zur Verfügung, die zu einer Abwicklung von Transaktionen zwischen zwei oder mehreren Parteien (mind. Anbieter und Nachfrager) führen.
Es handelt sich einfach gesagt um eine virtuelle Handelsplattform.
Mit Hilfe eines virtuellen Marktplatzes wird verschiedenen Nutzern die Möglichkeit gegeben ihre Angebote und Anfragen zu referieren und ihre Transaktionsangebote zu koordinieren und abzuwickeln. Hierbei nimmt der Betreiber allerdings keinen Einfluss auf den Verkauf bzw. die Transaktionsanfrage. Er ist lediglich für die Bündelung, Bereitstellung und technische Abwicklung von quantitativen und qualitativen Informationen verantwortlich.
Nutzer des virtuellen Marktplatzes müssen häufig eine Nutzungsgebühr bezahlen.

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Welche Ziele stecken hinter einem virtuellen Marktplatz?
Erstes Ziel eines virtuellen Marktplatzes ist der Austausch von Leistungen zwischen verschiedenen Nutzern. Hierbei sollen vor allem Transaktionskosten verringert sowie neue Nutzer gewonnen werden.
Unterschiedlichen Typen von virtuellen Marktplätzen?
Offener Marktplatz:
Möglichst ein breites Spektrum an Anbietern und Nachfragen soll angesprochen werden um. Hierbei werden vom Betreiber häufig Nutzungsgebühren und Registrierung erfordert.
Geschlossener Marktplatz:
Hierbei wird sich auf eine spezielle Branche oder Gruppe von Nachfrage und Angebot bezogen. Bei einem geschlossenen Marktplatz decken sich die Kosten häufig mit denen eines reellen Marktplatzes.
Zentraler/ Dezentraler Marktplatz:
Verantwortlich für die Einordnung in zentral/ dezentral ist die Organisationsstruktur eines Marktplatzes. Erstgenannter basieren auf einem zentralen Rechensystem.
Bei dezentralen Organisationsstrukturen wird die Datenbank auf verschiedne Systeme aufgeteilt. Hierbei führen und pflegen vielmehr die Marktteilnehmer die verschiedenen Module als der Marktbetreiber.
Vertikaler/ Horizontaler Marktplatz:
Horizontal: breite Branchenübergreifende Produktpalette, die von unterschiedlichen Unternehmen verschiedenster Branchen genutzt werden. (z.B. Büromaterial etc.)
Vertikal: Hier werden Branchenspezifische Produkte angeboten (z.B. Krankenhausausstattung).
Weitere Formen und Unterschiede von virtuellen Systemen sind auch hier nachzulegen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Virtueller_Marktplatz (vom 16.05.2010).
Handelsformen
Es gibt vier verschiedene Handelsformen zwischen den verschiedenen Nutzern von virtuellen Marktplätzen.
- Zunächst einmal wäre da der klassische Festpreis für Angebote. Der Anbieter gibt einen Festpreis an, für welchen der Interessent das Angebot erwerben kann.
- Es können Angebotssuchen aufgegeben werden, dass heißt Lieferanten können dem Suchenden einen Preisvorschlag auf das zu suchende Angebot abgeben
- Die Möglichkeit der Versteigerung (> EBAY): Der meistbietende erhält die Ware
- Reverse-auction: Beschaffungsbedarf wird bekannt gegeben. Lieferanten können daraufhin ihr Angebot anonym abgeben. Der niedrigste Preis erhält den Zuschlag
Vergleiche auch: http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Mittelstand/e-business,did=195978.html (18.05.2010)
Welche Vorteile bringt er mit sich?
Als primärer Vorteil des virtuellen Marktplatzes gilt die Überbrückung von sämtlichen räumlichen und zeitlichen Restriktionen.
Aufgrund der Computer- und Informationstechnologie ist es Usern zu jederzeit und an jedem Ort möglich über das Internet bzw. dessen Applikation World Wide Web auf den virtuellen Marktplatz zuzugreifen. Durch die Anwendung über das World Wide Web gilt der virtuelle Marktplatz im Vergleich zum realen Marktplatz als permanent geöffnet und Nutzer/ Kunden müssen sich keine Gedanken um die klassischen Öffnungszeiten machen.
Nutzer sind nicht an einen Ort gebunden und müssen keine zeitlichen Abkommen mit dem Transaktionspartner tätigen, wann das Geschäft stattfinden soll. Es können Transaktionen also auch von zu Hause aus, im Büro oder mittlerweile auch mit Hilfe von Iphone und Co. In Bus, Bahn etc. getätigt werden. Es kann also gehandelt werden ohne psychische oder temporale Einschränkungen hinnehmen zu müssen.
Durch den Wegfall zeitlichen und Räumlichen Einschränkungen kommt es gleichzeitig zur Senkung der Transaktionskosten der Nutzer. Es müssen keine zusätzlichen Räume, wie Büros oder Verkaufsflächen „beschafft“ werden und Wegkosten fallen auch weg. Weiterhin bietet der virtuelle Marktplatz durch die Zusammenstellung von Informationen durch den Betreiber die Möglichkeit die verschiedenen Transaktionen zu vergleichen und das für sich passende Angebot auszusuchen. Neben der entstehenden Transparenz ist mit dem virtuellen Marktplatz ein zusätzlicher Absatzweg entstanden
Letztendlich bietet der virtuelle Marktplatz dem Betreiber die Möglichkeit eine aktive Rolle im Koordinationsprozess einzunehmen, da er jedem Nutzer seine Unterstützung bei der Abwicklung seiner Transaktionen zur Verfügung stellen kann.
Für den „Verkäufer“ fallen keine zusätzlichen Vertriebskosten, wie z.B. Verkaufsgespräche an, da der Kunde sich selbstständig über das Internet über das gewünschte Produkt informieren kann und die Bestellabwicklung ebenfalls hierüber abgewickelt wird.
Welche Risiken verbergen sich hinter virtuellen Marktplätzen?
Neben den vielen Vorteilen die ein virtueller Marktplatz mit sich bringt, gibt es auch einige Risikofaktoren die Anwender beachten müssen. Während sich die Transaktionsprozesse in konventionellen Märkten schon lange eingespielt haben müssen sich die Mechanismen bei virtuellen Transaktionen erst noch einspielen.
Neben der Gefahr von Systemfehlern, -abstürzen und Fehlmeldungen spielen steigt vor allem die Zahl der Missbrauchfälle.
Die elektronische Bereitstellung seiner eigenen Daten, insbesondere Bankdaten, beim Abschluss von Transaktionen sind hiervon besonders betroffen. Eine 100-prozentige Sicherheit kann nie garantiert werden, dass diese Daten nicht in falsche Hände geraten.
Von Kritikern virtueller Marktplätze wird vor allem die Anonymität des Internets als Gefahrenpunkt gesehen. Für den Abschluss einer Transaktion zählen nur noch Kriterien wie Preis, Aussehen, Lieferweg und Lieferabschluss. Merkmale des Transaktionsteilnehmers lernt man nur in den seltensten Fällen kennen und birgt daher ein weiteres Risiko.
Hierbei wird für Unternehmen vor allem der Aspekt „Informationspreisgabe“ relevant, da sich nicht verhindern lässt, dass die Konkurrenz die Informationen über Ihr Produkt liest.
Die steigende Informationsvielfalt an Produkten und Dienstleistungen und die Informationsgeschwindigkeit erschweren dem Nutzer die Auswahlentscheidung.
Eine rationelle Entscheidung ist nur erschwert bis gar nicht möglich sodass der Nutzer an seine Informationsverarbeitungskapazität gelangt (Vgl.: http://www.leinert.com/marktplatz/, 2.8 Risiken, zugegriffen am 28.05.2010).
Beziehungsgeflecht in virtuellen Märkten
Die verschiedenen Transaktionen in virtuellen Marktplätzen können von verschiedensten Marktteilnehmern durchgeführt werden. Im Folgenden möchte ich kurz die unterschiedlichen Beziehungsgeflechte erläutern:
1. C2C - Beziehung:
Ein Beispiel hier wäre Ebay: Es handeln hauptsächlich Verbraucher untereinander (www.ebay.de).
2. C2B - Beziehung:
Verbraucher bieten bei der C2B-Beziehung Unternehmen verschiedene Dienstleitungen an, welche dann von Unternehmen in Anspruch genommen werden können. Beispiel hierfür ist der Dienstleistungsmarktplatz MyHammer (www.my-hammer.de).
3. B2C - Beziehung:
Unternehmen stellen in Online-Shops oder auf virtuellen Marktplätzen ihre Güter/ Dienstleistungen zur Verfügung, welche von Verbrauchern gekauft werden können. Es handelt sich hierbei meist um Versandhäuser die den Verbrauchern die Ware nach hause senden. Bsp: Online-Versandhandel Dell (www.dell.de).
4. B2B – Beziehung:
Unternehmen handeln mit Unternehmen oder Lieferanten. Marktplätze wie ExportPages dienen zur weltweiten Produkt- und Lieferantenfindung (www.exportpages.de).
Quellen
http://www.prozeus.de/eBusiness/themen/emarktplatz/index.htm
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Mittelstand/e-business,did=195978.html
http://www.leinert.com/marktplatz/
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/virtuelle-marktplaetze.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Virtueller_Marktplatz
Weiterführende Literatur
Frank Migalk: Elektronische H@ndelsplattformen (Handelsplattformen). Möglichkeiten für den Mittelstand. Loeper Literaturverlag, Karlsruhe 2005,
Katja Richter, Holger Nohr: Elektronische Marktplätze. Potenziale, Funktionen und Auswahlstrategien.. Shaker Verlag GmbH, 2002
Marco Henseler: Wettbewerb elektronischer Business-to-Business Marktplätze. Entwicklungen und dominante Strukturen. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009
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