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Elektronischer Marktplatz

Definition

Ein elektronischer Marktplatz ist eine elektronische Einkaufsplattform im Internet bzw. ein interorganisatorisches Informationssystem. An diesem ökonomischen Ort treffen aggregierte Nachfrage und aggregiertes Angebot zusammen, um Dienstleistungen oder Produkte zu handeln (Gütertransaktionen vorzunehmen) und Informationen auszutauschen und um sich Wissen anzueignen. "Elektronische Märkte werden somit als Transaktions- und Kommunikationsmedien aufgefasst." (AHLERT, 2001, S.142 ). Die Verhandlungen resultieren in einen elektronischen Kontrakt. Die Interaktionen erfolgen durch digitale Prozesse.
Es gibt erhebliche Unterschiede im Funktionsumfang: Die einfachste Form eines e-Marktes ist eine Art von einzelnen Angeboten auf einer Seite (ähnlich schwarzes Brett) und die Kontaktaufnahme erfolgt traditionell. In einem weiteren Schritt werden Produktkataloge und Zusatzleistungen, wie Brancheninformationen angeboten.

Es gibt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten bei elektronischen Marktplätzen; man unterscheidet zwischen: Art der Organisation, räumliche Lage der Anbieter (regional- alle Anbieter Sitz in einer Region, national- alle Anbieter mit Sitz in einem Land, international- Anbieter mit Sitz in verschiedenen Ländern), Möglichkeiten des Martkzuganges, Art der Preisbildung/ Online Pricing (entweder herkömmliche Preisabbildungsverfahren, wie vorgegebene Festpreise oder Preise auf Verhandlungsbasis oder diverse Auktionsverfahren)  und angebotenen Produkte, Dienstleitungen und weiteren Frunktionen.

Elektronische Märkte basieren auf Informationssystemen, die die einzelnen Phasen der Markttransaktion unterstützen, integrieren und automatisieren.

Es gibt branchenspezifische Marktplätze, welche ein vertikales Sortiment anbieten und branchenübergreifende Marktplätze, welche ein horizontales Warenangebot anbieten. Des Weiteren gibt es 3 Arten von e-Marktplätzen: C2C- Consumer to Consumer- (z.b. Ebay), B2C - Business to Consumer- (visuelle Malls, Amazon) und B2B -Business to Business- (oft geschlossene oder halboffene -Extranets- Marktplätze).

Der Hauptgedanke von diesen Märkten ist die Bedarfsbündelung.Wie auf dem folgenden Bild dargestellt, wird der elektronische Marktplatz von einem Betreiber zur Verfügung gestellt, welcher die Vorauswahl der Marktteilnehmer übernimmt und die Transaktionen zwischen Anbieter und Nachfrager unterstützt. Der Betreiber ist entweder ein unabhängiger Vermittler (Intermediär) oder eine Gruppe von Marktplatzteilnehmern (Konsortium).

Elektronischer Marktplatz
 

Es gibt offene (alle Interessenten haben Zugang) und geschlossene (nur ein bestimmter Kreis an Usern hat Zugang) Marktplätze.Im deutschsprachigen Raum bestehen zur Zeit ca. 90 Markplätze.

Vorteile

Es herrscht eine sehr große Markttransparenz, sodass sich Ausschreibungen und Auktionen schnell realisieren lassen. Die Nachfrager können sich an dem Markt direkt über eine Vielzahl von Produkten, Lieferanten und Anbietern informieren und die Möglichkeit wahrnehmen einen Preisvergleich direkt durchzuführen. Dies schafft die Möglichkeit preiswerter einzukaufen. Neben der Erhöhung der Markttransparenz, dem schnellen Zugriff auf relevante Lieferanten, Produkte und Preise wie auch die Schaffung von neuen Kundenkontakten, ist ein weiterer Vorteil die effiziente Abwicklung des Bestellprozesses sowie die Möglichkeit, den Beschaffungsbedarf auszuschreiben. Weiterhin besteht die Möglichkeit für Anbieter Märkte zu erschließen. Prozesse lassen sich beschleunigen. Dem Marktteilnehmer wird ermöglicht, unabhängig vom realen Standort in den virtuellen Marktplatz einzutreten. Es lassen sich Kosten einsparen für die Logistik, Kundenbetreuung und Ladenmieten.

Die neuen Marktplätze sind Nischen für innovative Produkte, vor allem im e-Commerce Bereich, wie z.B. im Bereich des Infotainment.

Risiken

Durch elektronische Märkte wird der Wettbewerbsdruck erhöht. Dies bietet die Gefahr von Kapazitätsengpässen, wenn vor allem kleinere und mittelständische Unternehmen als Anbieter auftreten und nicht mehr liefern können. Weitere Probleme ist die fehlende Anzahl der Marktteilnehmer bei machen e-Marktplätzen und technische Probleme.

Da die zentrale Aufgabe des E-Marktes das „Matchmaking“ ist, muss man für dieses Informationsgewissheit bringen und Vertrauen erzeugen. Unabdingbar ist hierbei, die Systeme auf Risiko und Bonität zu überprüfen.

Es müssen zuerst hohe Kosten veranschlagt werden, damit der Markt die kritische Masse überspringen kann und die Transaktionsliquidität erreicht wird.

Es muss sichergestellt werden, dass bei allen Teilnehmer des e-Marktes die Anwendungssysteme implementiert sind, da sonst der Workflow nicht gewährleistet wird.

Es ich außerdem wichtig, dass ein dynamisch Abruf von Daten und Prozessen in Echtzeit erfolgen kann, da so die direkte Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit garantiert wird.

Implementierung - Vorraussetzungen für den Anschluss und die Nutzung

Primäre Vorraussetzung ist, dass in dem jeweiligen Bereich ein elektronischer Markt existiert. Weiterhin müssen die Nachfrager und Anbieter registriert werden. Hierbei kommen das Bereichswissen und die Branchenbeziehungen zum Tragen.

Sekundär sollten die Verkaufs- und Beschaffungsstrategien, Produktpräsentationsmöglichkeiten, Gebühren und Produktkataloge feststehen; es sollten Marktprozesse benannt werden und in die Systeme der Marktteilnehmer eingebettet werden (insbesondere Enterprise- Ressource- Planning – Systeme –ERP). In einem weiteren Schritt muss die Architektur des e-Marktes formuliert werden und die Mechanismen integriert werden; danach müssen technische Prozesse für die Integration von dynamischen Echtzeitinhalten, Prozessen und Anwendungen entworfen werden.

Des Weiteren müssen interne organisatorische Abläufe an den e-Markt angepasst werden und es ist sicherzustellen, dass interne Mechanismen existieren, sodass sämtliche Informationen (wie Ausschreibungen und Anfragen) automatisch weitergeleitet werden, damit eine schnelle Reaktion möglich ist und Medienbrüche vermieden werden.

Technologie

Es handelt sich um einen oder mehrere Server, auf denen eine Software bereitgestellt wird. Über elektronische Netzwerke verbinden sich die Marktteilnehmer mit den Servern. Die Marktplätze bestehen aus einem System von Hard- und Software, sowie einer Menge definierter technischer und organisatorischer Regeln.

Meistens besteht ein elektronischer Markt aus einem „vierstufigen Client/ Server- Architektur, die auf Web- Anwendungsserver besteht "(Radjou, 2000, S.2.). Die Kernfunktionen sind die Plattformebenen, wie auf der folgenden Abbildung dargestellt:

Elektronischer Marktplatz

Die Architektur ist meistens so konzipiert, dass die Konfigurierbarkeit ein gutes Maß an Skalierbarkeit, Stabilität, Verfügbarkeit und Flexibilität vorweist.  

Transaktionen

Der elektronische Markt ist eine universelle, ortlose Transaktionsmaschine.

Die Markttransaktion lässt sich in logische Abläufe in vier Phasen darstellen. Die erste Phase ist die Wissensphase, die durch Erlangung von Informationen gebildet wird (Produktspezifikation, Preise, Konditionen, Angaben über Lieferung und Bezahlung, rechtliche Fragen).In der Absichtsphase wird ein Ziel definiert.In der Vereinbarungsphase wird verhandelt (Herzstück der generischen Marktdienste- Herstellung eines sicheren elektronischen Vertrages) und in der Abwicklungsphase die Transaktion ausgeführt.

Für den Erfolg eines elektronischen Marktes ist es wichtig, dass die Darstellung der Angebote bzw. Anbieter und der Nachfrager möglichst generisch erfolgt. 

Alle Phasen bei den Transaktionen verursachen Kosten. Die Transaktionskosten aller Phasen sind eine Funktion der verwendeten Kommunikationsmittel, sowie der implementierten organisatorischen Strukturen. Diese Trankaktionskosten werden jedoch erheblich gesenkt. Ein Effekt ist die zunehmende Liquidität, Globalität und die Skaleneffekte durch die Schnittstellen zu den lokalen Instanzen. Die Liquidität ist auch abhängig von der Größe des Marktes.

Elektronische Märkte haben das Potenzial, die Wertschöpfungsketten fundamental zu verändern. Dies ist vor allem durch die so genannten „Netzwerkeffekte“ möglich. Der Nutzen an dem elektronischen Marktplatz wächst, wenn dessen Nutzerzahl größer wird. Durch diesen erhöhten Nutzen wird das Netzwerk für noch mehr Personen interessant, die Nutzerzahl wächst weiter an, und somit wiederum der Nutzen für alle. 

Quellen: 

Dr. Ahlert, D., Dr. Becker, J., Kenning, P., Dr. Schütte, R. (Hrsg.), Internet & Co. Im Handel, Strategien, Geschäftsmodelle, Erfahrungen, 2. Auflage, Berlin/ Heidelberg, 2001. 

Schmid, B., Weiber, R. (Hrsg.), Handbuch Electronic Business- Informationstechnologien- Electronic Commerce- Geschäftsprozesse, Wiesbaden, 2000. 

Teichmann, R., Nonnenmacher, N., Henkel, J. (Hrsg.), E- Commerce und E- Payment, Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Perspektiven, Wiesbaden, 2001.

http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Elektronischer-Marktplatz-EM-electronic-marketplace-EM.html 

http://www.teialehrbuch.de/Kostenlose-Kurse/eBusiness/12220-Elektronischer-Marktplatz.html 

http://www.oldenbourg.de:8080/wienzyklopaedie/lexikon/
informationssysteme/Electronic-Business/Electronic-Commerce/Elektronischer-Marktplatz