Mashup
Der Begriff Mashup (von engl.: „to mash“ für vermischen) stammt aus der Welt der Musik und bedeutet dort im Englischen so viel wie Remix. Werden also beispielsweise zwei völlig unterschiedliche Songs so überarbeitet, dass ein neuer Song entsteht, spricht man von einem Mashup.
Dieser Begriff findet sich auch im heutigen Web 2.0 wieder. Ein Mashup wird im Internet oft als „Erstellung neuer Inhalte durch die nahtlose (Re-) Kombination bereits bestehender Inhalte“ definiert. Dies beinhaltet nicht nur die Kombination von diversen Information, sondern auch die Kombination von diversen Anwendungen, mit dem Ziel eine neue innovative Anwendung für den Client/User zu generieren.
Funktionsweise:
Technisch gesehen sind Mashups neue Anwendungen bzw. Dienste oder Seiten, die durch die Benutzung verschiedener offener Programmschnittstellen erstellt werden.
Eine API (für engl. application programming interface, deutsch: „Schnittstelle zur Anwendungsprogrammierung“) ist eine Programmierschnittstelle, die von einem Softwaresystem anderen Programmen zur Anbindung an das System zur Verfügung gestellt wird. Im Kontext von Mashups werden über APIs die Verwendung von Ressourcen ermöglicht. Im Internet werden Ressourcen meistens über Webservices Angeboten. Der API-Anbieter stellt dann zusätzlich eine Dokumentation über die Verwendung dieser API bereit. Grundsätzlich ist für die Verwendung der Ressourcen in Mashups eine standardisierte Schnittstelle von großer Bedeutung. Dies vereinfacht die Einbindung neuer Ressourcen in Mashups und behält die Funktionalität bei einer Änderungen der Implementierung des Web-Service bei.
Widgets sind mit den Ressourcen die beiden wichtigsten Bestandteile von Mashups. Widgets beinhalten Anwendungsfunktionalitäten. Sie greifen über die Schnittstellen der Ressourcen auf deren Inhalte zu, verändern, kombinieren und bearbeiten diese Inhalte und sorgen für die Interaktion mit dem Nutzer. Der Begriff Widget ist die Beschreibung für ein Stück Programm-Code, dieses jedoch nicht selbständig als Anwendung funktioniert. Es wird eine Widget-Engine benötigt, welche als Umgebung für die Widgets Grundfunktionen über Programmierschnittstellen bereitstellt. In der Mashup-Technologie dient die Mashup-Plattform als Widget-Engine.
Widgets sind letztlich kleine, fertige Code-Elemente, die man 1:1 in eine Webpage kopieren kann. Für die Verwendung von Widgets ist im Vergleich zu den APIs meist keinerlei Programmiererfahrung notwendig.
Zudem können diverse Feeds, sogenannte elektronische Nachrichten (im Atom- oder RSS-Format) in ein Mashup einbezogen werden.
Eine Webseite, die Content verbreiten möchte, erstellt ein RSS-Dokument und registriert das Dokument mit einem RSS-Publisher. Der Nutzer überprüft beim RSS-Publisher mit einem RSS-Client ob neuer Content vorliegt und der RSS-Client zeigt den Content entsprechend an.
RSS-Feeds sind XML basierte Dokumente. XML ist eine Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten in Form von Textdaten. XML wird u. a. für den plattform- und implementationsunabhängigen Austausch von Daten zwischen Systemen eingesetzt. Letztlich geben Feeds den Inhalt einer Seite in maschinenlesbarer Form wieder.
Heutzutage können mit RSS-Feeds viele Content-Arten wie News-Artikel, News-Headlines oder Wikis und sogar audiovisuelle Daten verbreitet werden.
Die folgende vereinfachte Darstellung zeigt den Aufbau eines Mashups:

Beispiel Geowalk.de
Geowalk ist ein deutsches Beispiel für einen Mashup. Geowalk arbeitet mit der „Google Maps“ Engine und kombiniert dazu verschiedene Feeds. Sucht man also auf der Weltkarte nach einem Ort, so erscheinen dazu die passenden geschichtlichen Informationen zum Ort, Bilder von Sehenswürdigkeiten, Videos, sowie eine Übersicht der ansässigen Hotels.
Diese Informationen entstammen der Wikipedia-Enzyklopädie, dem Hotelbuchungsservice Bookings.com, der Foto Community Flickr und dem Videoarchiv You-Tube. Die Kombination der zahlreichen Inhalte macht Geowalk so zu einem innovativen Reiseführer, indem „nur“ bestehende Inhalte in einen neuen Zusammenhang gebracht werden.

Beispiel iGoogle
Das iGoogle Konzept von Google basiert ebenfalls auf der Kombination von Feeds und Widgets in Form der sogenannten „Google Gadgets“. Hier gibt Google die Möglichkeit die Google-Startseite durch das Hinzufügen von Gadgets zu personalisieren. Der registrierte User kann aus einem speziellen Verzeichnis, Gadgets einfügen und diese in Echtzeit auf die iGoogle-Seite verschieben. Dem User wird hier zudem die Möglichkeit gegeben, einzelne „Gadgets“ zu modifizieren oder sogar eigene Gadgets zu erstellen und zu veröffentlichen.

Risiken und Chancen für den E-Commerce
Risiken
Der API-Anbieter finanziert i.d.R. die API-Services. Durch die teilweise sehr hohe Zugriffshäufigkeit auf eine API, muss die Infrastruktur entsprechend stabil und sicher laufen. Die Kosten für die IT-Infrastruktur machen demnach den größten Kostenfaktor aus.
Das finanzielle Risiko eines Mashup-Anbieters ist für „einfache“ Mashups als eher gering einzuschätzen, da lediglich Webspace für die Anwendung benötigt wird. Ein Großteil des Datenvolumens wird über API-Anbieter abgewickelt. Somit kann ein Mashup jederzeit verändert oder entfernt werden. Andererseits ist das Internet sehr schnelllebig, sodass andere eine erfolgreiche Mashup-Anwendung nacharmen können.
Chancen
Hinter APIs stehen natürlich oft wirtschaftliche Interessen. Dazu werden diverse Ansätze verwendet. So werden z.B. einige APIs nur gegen Lizenzkosten o.ä. angeboten. „Google-Maps“ beispielsweise darf nur auf öffentlich zugänglichen Seiten kostenlos verwendet werden. Möchte man beispielsweise „Google-Maps“ Funktionen in passwortgeschützen Bereichen eine Page installieren, so fallen hohe Nutzungsgebühren an, die durch Vertriebsaktivitäten erst einmal wieder eingeholt werden müssen. Sprich, es muss sich für das einzelne Projekt rentieren.
Desweiteren können API-Anbieter ihre detaillierten Produktdaten zur Verfügung stellen. Der API-Benutzer stellt diese Daten nun seinem User zur Verfügung. Bei einem Kauf über die Mashup-Anwendung bekommt der API-Anwender entsprechende Provisionen. Dies wird i.d.R. mit einem „Pay-per-Sale“ System abgewickelt. Diese Maßnahme ist dafür gedacht, den Umsatz des API-Anbieters zu steigern. Als Benchmark für solch ein System ist die Handelsplattform „Amazon“ anzusehen.
Quellen:
- Katalog E: Definitionen zu Handel und Distribution, Universität Köln Inst. f. Handelsforsch, Auflage 5 (2006)
- Mashups programmieren von Denny Carl, Jörn Clausen, Marco Hassler, und Anatol Zund von O'Reilly (2008)
- Web 2.0-Praxis, von Florence Maurice von Markt und Technik (2007)
- Möglichkeiten und Grenzen von Google Maps Mashups am Beispiel eines Basketball-Freiplatzverzeichnisses von Steffen Ivanowitsch von Grin Verlag (2009)
- Das Website Handbuch: Programmierung und Design von Tobias Hauser, Florence Maurice, und Christian Wenz von Markt+Technik (2009)
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| Mashup.jpg | 26.79 KB |
| geowalk.jpg | 72.44 KB |
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