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Der Homo Oeconomicus

 

GLIEDERUNG

  1. Einführung in die Thematik
  2. Das ökonomische Verhaltensmodell - der Homo Oeconomicus
  3. Die Grenzen und Kritik des ökonomischen Modells
  4. Fazit
  5. Quellenverzeichnis

 

 

1. EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK

Eine der bekanntesten Modellvorstellungen der Sozialwissenschaften und ein häufig gebrauchtes Modell zur Erklärung menschlichen Verhaltens stellt der Homo Oeconomicus dar. Das Menschenbild eines rein rational denkenden Individuums findet seine Wurzeln bereits im 20. Jahrhundert.

In dieser Hausarbeit soll zunächst das ökonomische Verhaltensmodell des Homo Oeconomicus beschrieben und erklärt werden. Anschließend geht der Autor auf die Grenzen und die Kritik dieses Modells ein. Abschließend zieht der Verfasser Fazit.

 

2. DAS ÖKONOMISCHE VERHALTENSMODELL - DER HOMO OECONOMICUS

Die Idee eines fiktiven Menschen, dem Homo Oeconomicus, findet ihre Annahme in der klassischen Ökonomie.[1] Diese versucht individuelles Verhalten im ökonomischen Kontext zu erklären und zu beschreiben. Basierend auf der Annahme der Güterknappheit und den daraus resultierenden Bedürfnissen muss sich der fiktive Mensch stets zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden um so sein Bedürfnis zu befrieden und den größtmöglichen Nutzen zu erzielen.[2]

In der Literatur wurde das Modell des Homo Oeconomicus durch zahlreiche Vertreter geprägt, jedoch lässt sich nicht genau feststellen wer genau für die Entstehung dieses Menschenbilds verantwortlich ist. Oft wird jedoch der Ökonom David Ricardo (1772-1823) erwähnt, der in seinem wohl bekanntesten Werk „The Principles of Political Economy and Taxation“ die reine theoretische Wirtschaftswissenschaft begründet.[3]

In seinem Werk geht David Ricardo nicht mehr von einem realen, sondern einer abstrakten Modellvorstellung eines wirtschaftlichen Menschen aus. Aber auch John Stuart Mill soll den „Wirtschaftsmensch“ mittels seiner Eigenschaften beschrieben haben. Letztendlich wurde der Begriff des „Homo Oeconomicus“ erstmals von Vilfredo Pareto (1848-1923) gebraucht und findet dort seinen Ursprung. Aber auch Adam Smith, Begründer der eigenständigen Wirtschaftswissenschaft, hat maßgeblich zu der Modellvorstellung des Homo Oeconomicus beigetragen.[4]

Der Begriff Homo Oeconomicus, der seinen Ursprung im lateinischen findet bedeutet „wirtschaftender Mensch“ oder „Wirtschaftsmensch“. Dieser interpretiert den Menschen als ein Individuum, das stetig danach strebt seinen Nutzen zu maximieren. Aufgrund der Annahme des uneingeschränkten rationalen Verhaltens entscheidet sich der Homo Oeconomicus stets für die Möglichkeiten, die ihm den größten Nutzen versprechen. Das heißt, dass Individuen dann rational handeln, wenn sie aus der ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eine Auswahl treffen diese jedoch anhand der zu erwartenden Konsequenzen abhängig machen.[5]

Die Wahlmöglichkeiten eines Individuums entstehen aufgrund der vorherrschenden Ressourcenknappheit. Nach Kirchgässner wird das Verhalten vor allem durch zwei Elemente geprägt. Zum einen durch Restriktionen, die überwiegend durch äußerliche Umstände entstehen und dabei den Handlungsspielraum eines Individuums beschränken und zum anderen durch Präferenzen, die rein subjektiv durch den Menschen erhoben werden. Dabei stellen Restriktionen zum Beispiel Einkommen oder Preise dar, wobei sich der Preis nicht nur auf ein Gut, sondern auch auf den damit verbundenen Aufwand oder Zeitanspruch bezieht. So liegen innerhalb des durch Restriktionen beschränkten Handlungsspielraums Handlungsoptionen aus denen das Individuum wählen kann.[6]

Durch seine persönlich festgelegten Präferenzen, die durchgängig konstant sein sollten,  bewertet das Individuum seine Entscheidungsmöglichkeiten nach Vorlieben und Wünschen, die als Maßstab gelten, um Vor- und Nachteile sowie Kosten und Nutzen der Handlungsoptionen gegeneinander abzuwägen. Dafür jedoch muss das Individuum eine klare Übersicht aller Handlungsalternativen haben und somit über vollständige Marktinformationen verfügen. Anschließend entscheidet es sich für die Alternative, die den eigenen Präferenzen am nächsten kommt und den Nutzen maximiert.[7]

Das ökonomische Modell geht dabei davon aus, dass die Entscheidungen des Homo Oeconomicus stets durch Eigenständigkeit getroffen werden, da er grundsätzlich aufgrund seiner eigenen Präferenzen entscheidet und die Präferenzen anderer Individuen missachtet. Die rationale Entscheidung des Homo Oeconomicus basiert auf der Abschätzung anderer Handlungsoptionen und der Bewertung im Hinblick auf die Nutzenmaximierung. Bei Veränderungen der Restriktionen reagiert der Homo Oeconomicus systematisch, was eine zufällige oder willkürliche Reaktion ausschließt.[8]

Homo Oeconomicus - Eigenschaften

 

3. DIE GRENZEN UND KRITIK DES ÖKONOMISCHEN MODELLS

Auch wenn der Homo Oeconomicus in den Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle spielt, gibt es wohl kaum ein Konzept, dass so umstritten ist.[9] Bereits die oben beschriebenen Eigenschaften des Homo Oeconomicus geben Anlass zur Kritik und weisen eindeutige Grenzen dieses Modells auf.

Durch viele Wirtschaftstheoretiker oder Sozialwissenschaftler wurde die ökonomische Modellvorstellung des ausschließlich wirtschaftlich denkenden Menschen durch Vorwürfe wie „Modell-Platonismus“[10] von Hans Alberts oder das Gegenkonzept „Bounded Rationality“[11] von Herbert Simons definiert. Besondere Bedeutung bei den Grenzen und der Kritik des Homo Oeconomicus wird auf die empirischen Forschungen gelegt, die sich nicht mit der Modellvorstellung decken und vereinbaren lassen. Diese Fülle an Anomalien stellt das Modell eindeutig in Frage. Es handelt sich dabei zwar um ein allgemeines, aber nicht umfassendes Modell menschlichen Handelns das in verschiedenen Anwendungsbereichen unterschiedlich Fruchtbar ist.[12]

Die wesentliche Kritik des Homo Oeconomicus bezieht sich auf die Eigennutzannahme und die Rationalität. Dabei wird kritisiert, dass Menschen sich nicht ausschließlich auf ihre eigenen Präferenzen beschränken, sondern durch Fairness und Solidarität leiten lassen. Oft sind Menschen in ihrem Handeln fair gegenüber ihren Mitmenschen, wobei es leichter wäre, von deren Engagement zu profitieren.[13]

Basierend auf der Kritik der Rationalität ist festzuhalten, dass diese oft bei Entscheidungen oder Informationen fehlt. Meist entscheiden Individuen nicht nach nachzuvollziehenden „Filtern“ sondern blenden Informationen beliebig aus oder ein. Gleichzeitig entscheiden wir nach vergangenen Erfahrungen oder Aufwendungen, ohne diese zuvor an Kosten-Nutzen auszumachen. Es ist also auch keine Konstanz vorhanden.[14]

Ein realistisches Menschenbild ist somit geprägt von Zügen, wie z.B. Emotionen, Vertrauen und Solidarität, die bislang in der Modellvorstellung des Homo Oeconomicus nicht beachtet werden.

 

4. FAZIT

Die Modellvorstellung des Homo Oeconomicus, der durch uneingeschränktes rationales Verhalten, der Nutzenmaximierung, durch festgelegte Präferenzen und vollständige Marktinformationen charakterisiert ist, ist theoretisch fundiert, jedoch realitätsfern und zu kurzgreifend. Deshalb gerät die Vorstellung des Wirtschaftsmenschen schnell an seine Grenzen und kann nicht in die Realität transformiert werden. Dabei stellen die uneingeschränkte Rationalität und die Eigennutzannahme die entscheidenden Kritikpunkte dar.

Menschen handeln grundsätzlich nicht nur rational und eigennützig. Vielmehr sind sie ausgezeichnet durch weitere menschliche Züge, wie zum Beispiel Emotionen. Aufgrund dessen können Individuen nicht nur rational entscheiden. Auch sind diese nicht nur bestrebt ihren Eigennutzen zu maximieren, sondern durch Fairness und Solidarität andere Handlungsoptionen in Kauf zu nehmen, die nicht unbedingt ihren Nutzen maximieren können.

Festzuhalten ist, dass das Modell nicht den realistischen Ansprüchen an das menschliche Handeln genügt. Vielmehr ist der Homo Oeconomicus eine veraltete Modellvorstellung, die durch soziale Aspekte erweitert werden müsste um den heutigen Stand der Menschheit repräsentieren zu können.

 

5.     QUELLENVERZEICHNIS

5.1 Literaturquellen

Kirchgässner, G.: Homo Oeconomicus, Das ökonomische Modell individuellen Verhaltens und seine Anwendung in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 3. Aufl., Tübingen 2008

Rolle, R.: Homo Oeconomicus, Wirtschaftsanthropologie in philosophischer Perspektive, Würzburg 2005

 

5.2 Internetquellen

FAZ.NET: o.V., Angriff auf den Homo Oeconomicus, 02. März 2009, in: http://www.faz.net/artikel/C31364/volkswirtschaftslehre-angriff-auf-den-homo-oeconomicus-30087898.html, zugegriffen am 23.05.2011

HHL.info: Suchanek, A., Der Homo Oeconomicus als Heuristik, in: http://www.hhl.info/fileadmin/LS/Sustain/Publication/1993_dp_homo_oeconomicus.pdf, zugegriffen am 27.05.2011

Max Planck Institute for Research on Collective Goods: Lüdemann, J., Die Grenzen des homo oeconomicus und die Rechtswissenschaft, Jan. 2006, in: http://www.coll.mpg.de/pdf_dat/2006_02online.pdf, zugegriffen am 27.05.2011 

 


[1] Vgl. http://www.faz.net/artikel/C31364/volkswirtschaftslehre-angriff-auf-den-homo-oeconomicus-30087898.html

[2] Vgl. Kirchgässner (2008), S. 12 f.

[3] Vgl. Rolle (2005), S. 122

[4] ebd.

[5] Vgl. http://www.coll.mpg.de/pdf_dat/2006_02online.pdf, S. 5 f.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] Vgl. http://www.hhl.info/fileadmin/LS/Sustain/Publication/1993_dp_homo_oeconomicus.pdf, S. 1

[10] Vgl. http://www.coll.mpg.de/pdf_dat/2006_02online.pdf, S. 12 f.

[11] ebd.

[12] Vgl. Kirchgässner (2008), S. 202

[13] Vgl. http://www.coll.mpg.de/pdf_dat/2006_02online.pdf, S. 12 f.

[14] ebd.