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Was versteht man unter Marktgleichgewicht?

Der Begriff setzt sich aus den zwei Begriffen, Markt und Gleichgewicht, zusammen. Im Rahmen der ökonomischen Betrachtung bezeichnet der Begriff Markt das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage von einem ökonomischen Gut. In diesem Zusammenhang definiert Lachmann das Gleichgewicht wie folgt: “Ein Gleichgewicht ist ein Zustand, in dem sich Angebot und Nachfrage entsprechen; da sich sowohl die Absatzpläne der Anbieter als auch die Konsumwünsche der Nachfrager erfüllen, werden keine Kräfte wirksam, die diesen Zustand verändern” (Lachmann 2006, S. 62)



Angebot und Nachfrage im vollkommenen Markt

Im Folgenden wird von einem vollkommenen Markt ausgegangen. Einen vollkommenen Markt kennzeichnen insbesondere folgende vier Merkmale:

  • Die Marktteilnehmer verfügen über keinerlei Präferenzen
  • Unverzügliche Reaktion aller Marktteilnehmer auf Veränderungen
  • Die Güter sind absolut homogen
  • Der Markt ist für alle Marktteilnehmer vollständig transparent


Die Entscheidung über den Kauf eines Gutes wird in diesem Modell daher ausschließlich über den Preis getroffen. Hierbei ist es für die Nachfrager beispielsweise nicht relevant, ob zu einer Einkaufsstätte eine größere Entfernung zurückzulegen ist, oder er die Gestaltung des Gutes attraktiver bewertet als die eines anderen Gutes.
Der Preis auf dem Markt wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Im Bezug auf das Angebot bedeutet dies, dass bei einem geringen Preis wenig Anbieter ein Gut anbieten und bei einem hohen Preis viele Anbieter mit Ihrem Gut auf den Markt drängen. Bei der Nachfrage verhält es sich hingegen entgegengesetzt. Bei einem hohen Preis sind nur wenige Marktteilnehmer bereit das Gut zu kaufen. Bei niedrigem Preis ist die nachgefragte Menge hoch. Angebot und Nachfrage werden üblicherweise anhand von Kurven in einem Preis-Mengendiagramm abgebildet. Hierbei ist auf der X-Achse die Menge der Güter und auf der Y-Achse der Preis aufgetragen.

Bild 1
Abbildung 1: Markträumung im Gleichgewicht (aus Roth 2007, S.104)

Bei Preis P in Abbildung 1 herrscht ein markträumender Gleichgewichtspreis. In diesem Punkt befindet sich das optimale Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Der Markt wird in diesem Punkt bestmöglich bedient und die maximale Menge an Gütern verkauft beziehungsweise gekauft.
Oberhalb des Gleichgewichtes herrscht als Beispiel am Punkt Q weniger Nachfrage und mehr Angebot am Punkt R. In dieser Situation sind zum höheren Preis P1 weniger Marktteilnehmer bereit zu kaufen als zu verkaufen. Es herrscht ein Überschuss an Angebot.
Unterhalb des Gleichgewichtspreises sind zum Preis P2 weniger Marktteilnehmer bereit zu verkaufen (Punkt S) und mehr Marktteilnehmer bereit zu kaufen (Punkt T). Es herrscht ein Überschuss an Nachfrage. Das Marktgleichgewicht liegt demnach dann vor, wenn Angebot und Nachfrage so zueinander stehen, dass weder Nachfrager noch Anbieter bereit sind, weitere Güter zu handeln (zu Preis P).

 

Einflüsse auf Angebot und Nachfrage

Bisher ist von einem vollkommenen Markt ausgegangen worden. Dieser ist in der freien Wirtschaft in dieser Form jedoch nicht anzutreffen. Häufig beeinflussen neben dem Preis weitere Faktoren Angebot und Nachfrage und bewirken damit eine Verschiebung der beiden Kurven, so, dass sich ein neuer Gleichgewichtspreis einstellt. Für eine Verschiebung der Kurven finden sich zahlreiche Beispiele. Bei Betrachtung der Nachfrage kann als Beispiel die Auswirkung von Werbung herangezogen werden. Mit gezielter Werbung erreichen Anbieter von Gütern eine Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts. Damit verschiebt sich auch der Gleichgewichtspreis nach oben. Somit kann eine höhere Menge zu einem höheren Preis umgesetzt werden. In entgegengesetzter Richtung verhält es sich entsprechend gegenteilig. Sinkt die Nachfrage nach einem Gut, weil es zum Beispiel veraltet ist, verschiebt sich die Nachfragekurve nach links und der sich einstellende Preis und die umgesetzte Menge verringern sich.

Bei der Angebotskurve kommt es zu einem ähnlichen Verhalten. Kommt es bei den Anbietern zu einer Veränderung, die zur Folge hat, dass Produkte günstiger am Markt angeboten werden können, so bewirkt dies eine Verschiebung der Angebotskurve nach rechts. Zum neuen Gleichgewichtspreis existiert eine höhere Nachfrage, sodass zu einem niedrigeren Preis eine höhere Menge umgesetzt wird. Bei der Betrachtung der Angebotskurve verhält es sich (genauso wie bei der Nachfrage) gegenteilig. Müssen Anbieter den Preis für ein Produkt anheben, so kommt es zu einer Verschiebung der Angebotskurve nach links und damit zu einem neuen und höheren Preis, der für eine geringere umgesetzte Menge sorgt.

Hieraus lassen sich folgende Regeln ableiten, welche nach Beck 2008, S. 38 zitiert sind:

  • “Ist das Angebot grösser als die Nachfrage, sinkt der Marktpreis so lange, bis Angebot und Nachfrage übereinstimmen, d.h. bis Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht sind.
  • Ist umgekehrt das Angebot zu gering, steigt der Marktpreis, bis sich früher oder später ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellt.”

 

Auswirkungen von Veränderungen der Angebots- und Nachfragekurve

Im nächsten Schritt sollen die jeweiligen Verschiebungen von Angebot und Nachfrage, die sich aus den beschriebenen Situationen ergeben haben, miteinander in Verbindung gebracht und somit die Reaktion des Marktes auf diese Veränderungen beschrieben werden.

Durch die idealen Merkmale des vollkommenen Marktes wird davon ausgegangen, dass sich das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage automatisch ergibt. In der Realität finden sich diese Märkte hingegen nur sehr selten bis überhaupt nicht. Der Aktienmarkt kommt dem vollkommenen Markt am nächsten und wird in der Literatur gerne als Erklärungshilfe herangezogen. In den übrigen Märkten fehlt es hingegen an Transparenz und eine unverzügliche Reaktion auf Veränderungen im Markt ist ebenfalls kaum möglich. Dennoch wird auch hier immer ein Gleichgewicht angesteuert. Dies soll im folgenden Anhand des Cobweb-Theorems verdeutlicht werden.

 

Das Cobweb-Theorem (in Anlehnung an Lachmann 2006, S. 63)

Erhöht sich die Nachfrage nach einem Gut beispielsweise aufgrund von erfolgreicher Werbemaßnahmen, so findet wie bereits beschrieben, eine Verschiebung der Nachfragekurve nach rechts statt (vgl. Abbildung 2). Im vollkommen Markt würde sich sofort der neue Gleichgewichtspreis am Punkt PG einstellen.
In der Regel ist es jedoch nicht möglich, dass die Anbieter sofort die angebotene Menge erhöhen können, da hier Produktionszeiten dagegensprechen. Daher steigt im ersten Schritt der Preis von P0 auf P1 und die Menge X0 wird umgesetzt. Im nächsten Produktionszyklus orientieren sich die Anbieter weiter am Preis P1 und stellen die Produktion auf die Menge X1 ein. Diese Menge entspricht im Punkt C auf der Nachfrageseite nur dem Preis P2 und kann demnach auch nur zu diesem abgesetzt werden. Im darauf folgenden Produktionszyklus orientiert sich die produzierte Menge der Anbieter am neuen Preis P2 und die Menge X2 wird produziert beziehungsweise für den Markt bereitgestellt. In diesem Rythmus der Produktionszyklen wird sich so bei einem stabilen Markt dem neuen Marktgleichgewicht angenähert. Von einem instabilen Markt spricht man, wenn dieses Gleichgewicht sich nicht einpendelt. Das passiert, wenn die Steigung der Nachfragekurve größer ist als die der Angebotskurve. Das in diesem Graphen entstehende Geflecht erinnert an ein Spinnweben, was der Grund für den Namen des Theorems ist [cobweb (engl.) - Spinnwebe (de.)].

Bild 2
Abbildung 2: Cobweb-Theorem (aus Lachmann 2006, S. 63)

 

Der Schweinezyklus als praktisches Beispiel

Der Schweinezyklus wird in der Literatur häufig verwendet um dieses Phänomen zu erklären. Die Produktion von Schweinen richtet sich nach den biologischen Rahmenbedingungen der Zucht. Betrachtet man den Zeitraum von der Anschaffung neuer Zuchtschweine bis zur abgeschlossenen Mästung ihrer Jungen, so vergehen ca. 1,5 Jahre. (in Anlehnung an Hardes/Uhly 2007, S. 198)
Liegt auf dem Markt nun eine erhöhte Nachfrage nach Schweinen beziehungsweise Schweinefleisch vor, so erhöht sich zunächst der Preis. Der erhöhte Preis sorgt dafür, dass Anbieter mehr Schweine anbieten möchten und investieren so in weitere Zuchtschweine oder ziehen sogar Schweine aus dem Angebot ab um sie in der Produktion weiterer Schweine einzusetzen. Dadurch verringert sich weiter das Angebot und der Preis steigt noch einmal. Die Produktion befindet sich auf hohem Niveau und die Anbieter sind bestrebt, die Nachfrage zum hohen Preis zu decken. Nachdem ca. 1,5 Jahre vergangen sind und die Produktion abgeschlossen ist, herrscht ein großes Angebot an Schweinen beziehungsweise Schweinefleisch, welches auf dem Markt bereitgestellt wird. Das führt dazu, dass der Preis wieder sinkt und die Produktionskapazitäten zurückgefahren werden. In folge dessen, wird im nächsten Produktionszyklus ein geschmälertes Angebot auf dem Markt bereitstehen und der Zyklus beginnt von vorn. Somit ist der Preis auf dem Weg zum Gleichgewichtspreis ständig in Bewegung.

 

Quellen und weiterführende Literatur:

Beck, B.: Volkswirtschaft verstehen, 5. stark überarbeitete und aktualisierte Auflage, Zürich 2008 S.25 ff.
Hardes, H.-D.; Uhly, A.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 9. Auflage, München 2007
Meckenstock, G.: Wirtschaftsethik, Berlin 1997
Lachmann, W.: Volkswirtschaftslehre 1 - Grundlagen, Heidelberg 2006 S.62
Roth, S. J.: VWL für Einsteiger - Eine anwendungsorientierte Einführung, Stuttgart 2007, S.104

Cobweb-Theorem: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/121189/cobweb-theorem-v4.html

 

Tags: Angebot, Nachfrage, Marktgleichgewicht, Vollkommener Markt, Cobweb-Theorem

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