Virtuelle Marktplätze

Durch den stetig steigenden Ausbau digitaler Informationstechnologien seit den 90er Jahren und der technologischen Weiterentwicklung stehen sich Marktteilnehmer im B2B-[1], C2C-[2] und B2C-[3]Bereich des Öfteren nicht mehr persönlich am Marktplatz gegenüber, sondern zunehmend nur noch virtuell, über elektronische Kommunikationsplattformen. Elektronische Marktplätze vereinen und vernetzen in sich die Funktionalitäten von bislang voneinander getrennten Anwendungen.

Virtuell - im Internet – steht neben Verkäufer und Käufer ein neuer Akteur im Vordergrund. Der Marktplatzbetreiber oder auch „Service Provider“ steuert die Koordination von Angebot und Nachfrage. Sein Unternehmen finanziert sich durch Anteile der einzelnen Transaktionen oder fixe Teilnehmergebühren. Ein gutes Beispiel für solche Kommunikationsplattformen im Internet ist, z. B. Ebay. Folgende Grafik verdeutlicht die Interaktion eines Geschäftsprozesses.

Softwareanwendungen in Form von Web Services bieten über eine direkte Interaktion unter Verwendung XML[4]-basierter Nachrichten durch den Austausch über internetbasierte Protokolle Dienste an. Diese kooperieren unabhängig voneinander, arbeiten jedoch für einen Geschäftsprozess gemeinsam mit anderen Software Agenten innerhalb eines Multi-Agenten-Systems zusammen. Dabei wird ein Dienst von einem Service Provider angeboten. Der Konsument stellt eine Anfrage an diesen Dienst und bekommt daraufhin eine Antwort vom eigentlichen Anbieter. Dabei findet ein Multidirektionaler Informationsaustausch zwischen den Agenten statt.

Der Austausch elektronischer Datenpakete auf der virtuellen Handelsebene wird u.a. durch den standardisierten Austausch mittels FTP[5]-Systemen bestimmt. Als weltweite, sprachunabhängige und verfahrensneutrale, einheitliche Schnittstelle steht das nach ISO 9735 zertifizierte EDIFACT[6]-System im Vordergrund. Dadurch wird das Herauslesen wichtiger Datenströme aus den erhaltenen Nachrichten und deren Eingabe in die eigenen Software-Applikationen überflüssig.

Virtuelle Marktplätze lassen sich – wie eingangs bereits kurz erwähnt - dreifach unterscheiden. Die Ausprägung der B2B Marktplätzte werden als Erfolg versprechendste Bereiche angesehen. Sie weisen im Electronic Commerce geschäftliche Unternehmensbeziehungen auf und umfassen u.a. sowohl globale Kommunikation, als auch die Abbildung unternehmensübergreifender Prozesse wie z. B. die einer Supply Chain. Logistische Vorgänge wie Beschaffung, Distribution und Marketing sind Hauptaugenmerke innerhalb des B2B Geschäftsfeldes. Im westeuropäischem Raum wurde 2004 mit dem B2B Bereich ein Umsatz von ca. 1,55 Billionen € über das Internet erzielt.

In C2C Bereichen treten Privatpersonen als Endverbraucher - ohne am gewerblichen Verkehr teilzunehmen – in Form von Nachfragern und Anbietern auf virtuellen Marktplätzen auf und interagieren dort miteinander. Im Rahmen von B2C Marktplätzen treffen Produzenten von Waren und Dienstleistungen auf Endverbraucher (www.atrada.de). Meistens treffen potenzielle Kunden über Suchmaschinen im Internet auf Dienstleister. Dieses Segment weist einen nationalen Umsatz in 2004 von ca. 406 Mrd. € auf. Eine Variante des B2C ist die C2B, wobei Dienstleistungen von Verbrauchern für Unternehmen angeboten werden.

Elektronische Marktplätze haben drei unterschiedliche Orientierungen. Auf der einen Seite gibt es den „Buy-Side-Commerce“, die Käuferseite im Handel. Hier setzt der Ansatz des Electronic Procurement als Schnittstellenmanager von Unternehmen zu Lieferanten an. Dieser unterstützt aktiv die Abwicklung von Beschaffungsprozessen. Demgegenüber steht der Begriff „Sell-Side-Commerce“. Dieser Ansatz dient als Schnittstelle zum Kunden. Im Rahmen dieser Orientierung wird der Produktkatalog des liefernden Unternehmens im Internet bereitgestellt. Der letzte Ansatz ist eine beidseitige Orientierung, wobei die Koordination von Angebot und Nachfrage im Vordergrund steht.

Darüber hinaus lassen sich Marktplätze noch in homogene und heterogene, vollkommene und unvollkommene, organisierte, unorganisierte und in geschlossener und offene typisieren. Eine wichtige Bedeutung bei der Entwicklung virtueller Marktplätze kommt neben den klassischen Marktformen, wie Monopol, Oligopol dem Tripol zu. Hierunter ist das Vorhandensein von drei aktiven Marktteilnehmern zu verstehen. Der Marktplatzbetreiber ermöglicht den anderen beiden Parteien, d.h. dem Nachfrager und dem Anbieter, ein virtuelles Zusammentreffen und unterstützt Transaktionsprozesse der beiden untereinander.

Durch die neuen Dimensionen der internetbasierten Handelsebenen eröffnen sich neue Perspektiven für alle drei Parteien. Durch den einfachen Marktzugang gelingt es Nachfragern und Anbietern jederzeit und überall virtuell in Kontakt zu treten. Ein virtueller Marktplatz zeichnet sich auf einer Merkmalsebene durch eine offene, rein computergestützte Struktur für die Abstimmung von Transaktionsprozessen für heterogene Handelsgüter aus. Jedoch kann trotz der aktiven Organisation und Leitung eines zentralen Marktplatzbetreibers kein vollkommener Marktplatz im klassischen Sinne erreicht werden. Diese virtuelle Handelsebene wird durch eine unmittelbare Kommunikation ohne räumliche oder zeitliche Beschränkungen in Zukunft weiter stark wachsen.

Tags:

B2B, B2C, C2B, C2C, Sell-Side-Commerce, Buy-Side-Commerce, Tripol.

Literaturverzeichnis

Kollmann, T.: Virtuelle Marktplätze, Grundlagen – Management – Fallstudie, München 2001.

Kopfer, H., Bierwirth, Chr. (Hrsg.): Logistik Management, Intelligente I+K Technologien, Berlin 1999.

Lejmi, H.: Verbindung von Electronic Commerce und Logistik über virtuelle B2B-Marktplätze, Dissertation, Erlangen, 2004.

Tantzen, N.: Organisatorische Gestaltung virtueller Unternehmen, Aachen, 2006.

http://www.de.wikipedia.org/wiki/Elektronischer_Handel, zugegriffen am: 16.12.2007.

http://www.vorlesungen.info/node/634, zugegriffen am 16.12.2007.

http://www.sap.com/germany/company/press/archive/press_show.epx?ID=317, zugegriffen am 16.12.2007.

http://www.media-vision.iao.fraunhofer.de/downloads/Trendanalyse_Elektronische_Marktplaetze.pdf, zugegriffen am 18.12.2007.

http://www.wi-inf.uni-due.de/FGFrank/ecomod/literatur/Fraunhofer_2000_ElektronischeMarktplaetze.pdf, zugegriffen am 16.12.2007.



[1] Business-to-Business

[2] Consumer-to-Consumer

[3] Business-to-Consumer

[4] Extensibel Markup Language ist eine Sprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten in Form von Textdateien. XML wird bevorzugt für den Austausch von Daten zwischen IT-Systemen eingesetzt

[5] File Transfer Protocol

[6] Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport

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