Google Scholar (dt. Google Wissenschaftler)


Google Scholar
ist eine Suchmaschine für ausschließlich akademische Literatur. Seit November 2004 ist Google Scholar als Beta-Version online. Dieser Status ist typisch für verschiedene andere Google Produkte und Web 2.0 Webseiten.

Indiziert, das heißt in die Datenbank aufgenommen, werden laut Google:

... von Kommilitonen bewertete Seminararbeiten, Magister-, Diplom- sowie Doktorarbeiten, Bücher, Zusammenfassungen und Artikel, die aus Quellen wie akademischen Verlagen, Berufsverbänden, Magazinen für Vorabdrucke, Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen stammen.[1]

Funktionsweise

Die wissenschaftlichen Arbeiten werden Google von den Herausgebern in digitaler Form zur Indizierung bereit gestellt. Indiziert werden jeweils die Volltexte inklusive aller Literaturangaben. Die Volltexte dienen als Datenbasis für die Google Scholar Suche. Des Weiteren wird dann aus diesen Informationen berechnet, welcher Artikel wie oft und von wem zitiert wurde. Der sich daraus ergebende Zitationsindex dient als Bewertungsgrundlage für das Ranking und ermöglicht Zitationsanalysen. Durch eine Integration von Linking-Services wie zum Beispiel SFX werden die Suchergebnisse direkt mit den lizenzierten Volltexten verlinkt. Dennoch werden darüber hinaus auch Bücher und Zitate indiziert, durchsucht und im Suchergebnis angezeigt, die nicht online zugänglich sind. Die Funktionsweise ist folgend vereinfacht dargestellt:

Funktionsweise von Google Scholar

 

Suchergebnis und Ranking

Die Reihenfolge der angezeigten Suchergebnisse folgt, ebenso wie bei der normalen Google-Suche, dem Relevanz-Prinzip. Die nützlichsten Verweise werden oben  angezeigt und sind damit als erstes für den User sichtbar. Der Wert einer wissenschaftlichen Arbeit wird grundsätzlich dadurch deutlich, wie oft sie zitiert wurde. Diese Information geht ebenfalls in das Ranking mit ein:

Die Ranking-Technologie von Google berücksichtigt den vollständigen Text eines Artikels, den Autor, wo der Artikel veröffentlicht wurde und wie oft der Text in der wissenschaftlichen Literatur zitiert wurde.[1]

 

Nutzen für User

Der User kann bequem von einem einzigen Ort aus in verschiedensten Quellen suchen. Über Verlinkungen der Suchergebnisse gelangt er zu Informationen über die Verfügbarkeit von Volltexten in Bibliotheken und im Internet. Schließlich kann er die wichtigsten Arbeiten auf einem Forschungsgebiet anhand der Zitationshäufigkeit identifizieren. Ein großer Vorteil: Mit Google Scholar kann man gleichzeitig wissenschaftliche Arbeiten aus allen Forschungsbereichen durchsuchen.

Kommerzieller Nutzen und Findability

Google Scholar ist aus kommerzieller Sicht vor allem für akademische Verlage interessant. Diese können durch die Optimierung der Arbeiten, die Google zur Verfügung gestellt werden, die Findability ihrer akademischen Quellen und somit deren Vermarktung verbessern. Die Indizierungsalgorithmen extrahieren automatisch Metadaten, Literaturangaben und andere Informationen aus den Artikeln. Der Herausgeber kann die Findability verbessern, indem er relevante Metadaten für jeden Artikel zur Verfügung stellt.  


Außerdem sollten Sitzungs-IDs, Cookies und andere Tracking-Parameter vermieden werden. Ansonsten wären mit jedem Dokument mehrere URLs verbunden, sodass die URL, die zu dem Artikel führt nicht eindeutig identifiziert werden kann.


Teilweise kann es vorkommen, dass verschiedene Versionen eines wissenschaftlichen Aufsatzes in den Literaturangaben angegeben werden. Dies passiert, wenn Arbeiten als Vordrucke oder Konferenzbeiträge erscheinen und entsprechend zitiert werden. Um die Position im Ranking zu verbessern, sollten alle Versionen einer Arbeit gruppiert werden. Dadurch verhindert man, dass jede Version einzeln anhand ihrer Erwähnungen in anderen wissenschaftlichen Aufsätzen gerankt wird. Statt dessen wird für das Ranking die Gesamtsumme aller Zitationen dieses Artikels einkalkuliert.

Ausblick

Inwieweit Google Scholar erfolgreich zur Vermarktung kommerzieller akademischer Literatur genutzt werden kann, hängt in erster Linie von seiner Akzeptanz ab. Wie viele Wissenschaftler nutzen Google Scholar überhaupt? Inwieweit wird die Suchmaschine als verlässliche Datenquelle empfunden? Mayr und Walter vom  Leibniz Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) und dem  Social Science Information Centre (IZ), Bonn, haben 2007 in einer Untersuchung Mängel beim Umfang der erfassten akademischen Literatur sowie bei der Aktualität der Daten gefunden. Genauer gesagt sind demnach deutsche Literatur sowie Open Access Inhalte unterrepräsentiert. Die hauptsächlichen Bereitsteller von Daten seien Kommerzielle akademische Verlage.  Google selbst stellt keine Informationen über den Umfang und die Aktualität des Indexes bereit. Inwieweit sich Google Scholar in akademischen Kreisen durchsetzen wird, ist bisher noch nicht abzusehen.

 

Fußnoten

[1] siehe Google Scholar: Über Google Scholar, in: http://scholar.google.de/intl/de/scholar/about.html, zugegriffen am 18.02.2009

Literaturangaben

Google Scholar: Support für wissenschaftliche Verlage, in: http://scholar.google.de/intl/de/scholar/publishers.html, zugegriffen am 18.02.2009

Mayr, Philipp und Walter, Anne-Kathrin: An exploratory study of Google Scholar, Bonn, 2007, in: http://www.ib.hu-berlin.de/~mayr/arbeiten/OIR-Mayr-Walter-2007.pdf, zugegriffen am 18.02.2009

Universitäts- und Landesbibliothek Bonn: Was ist SFX? In: http://www.ulb.uni-bonn.de/ebibliothek/sfx/faq_index.htm, zugegriffen am 18.02.2009

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