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Supplier Relation Management (engl.);

Lieferantenbeziehungsmanagement (de.)

 

Was versteht man unter Supplier Relation Management (SRM)?

Das SRM umfasst die Gestaltung strategischer und operativer Beschaffungsprozesse sowie die Gestaltung des Lieferantenmanagements. Durch das SRM werden die Auswahl, die Steuerung und die Kontrolle der Lieferanten übernommen. 

Ziele des SRM sind zum einen, die Optimierung der Beziehungen zu den Lieferanten und zum anderen die Reduzierung der Prozesskosten. Des weiteren wird mit Hilfe des SRM die Analyse der Einkaufsprozesse sowie die Bewertung der Lieferantenperformance vereinfacht [1].

 

Die Entwicklung des SRM

Oft wird das SRM als Weiterentwicklung des E-Procurement bezeichnet. 

Mit Hilfe des E-Procurement wird der operative Beschaffungsprozess (Bedarfsermittlung, Bestellung und Abwicklung) durch EDV-Unterstützung automatisiert. Anstelle  des papierbasierten Beschaffungsprozesses soll ein elektronischer Ablauf eintreten. Dieser Prozess kann vereinfacht wie folgt erklärt werden:

Über den Web-Browser kann der Kunde auf einen elektronischen Katalog des Anbieters zugreifen. Die Ware wird vom Kunden bestellt und eine elektronische Bestellung wird an den Anbieter weitergeleitet. Dieser wiederum bearbeitet die Bestellung und die Ware wird an die Kunden geliefert.

Doch nicht nur die Bestellung kann mit Hilfe des E-Procurement auf elektronischem Wege erfolgen. Auch die Rechnungsstellung kann auf diese Weise abgewickelt werden. Mit Hilfe dieses Anwendungskonzeptes wird demnach eine schnellere und kostengünstigere Bearbeitung des Beschaffungsprozesses möglich.

Das SRM betrachtet im Gegensatz zum E-Procurement jedoch nicht nur den operativen Beschaffungsprozess sondern auch die strategischen Beschaffungsgaufgaben (Vorbereitung, Anbahnung und Vereinbarung). Das SRM beschreibt demnach sowohl zielgerichtete Beschaffungsstrategien, als auch die Qualifizierungs- und Auswahlprozesse der Lieferanten [2]. 

 

Der Prozess des SRM

Der Prozess des SRM lässt sich in sechs Phasen gliedern:

  • Lieferantenidentifikation
  • Lieferanteneingrenzung
  • Lieferantenanalyse
  • Lieferantenbewertung
  • Lieferantenauswahl
  • Lieferantencontrolling [3]

Mit Hilfe der unten abgebildeten Grafik soll der Prozess des SRM näher erläutert werden.

 

Prozess des Lieferantenmanagements

                        Abb. 1: Prozess des Lieferantenmanagements

 

Lieferantenidentifikation

In der Phase der Lieferantenidentifikation werden sämtliche Lieferanten ausgewählt, die dem vom Kunden entwickelten Anforderungsprofil entsprechen.

Lieferanteneingrenzung

Die, in der Phase der Lieferantenidentifikation ausgewählten Lieferanten, werden nun bezüglich des Preis-Leistungverhältnisses untersucht. Geeignete Lieferanten werden in diesem Prozess herausgefiltert.

Lieferantenanalyse

Lieferanten spielen in Bezug auf die Wertschöpfungskette eines Unternehmens eine wichtige Rolle. In Zeiten sinkender Produktionsleistung und Lagerhaltung sowie steigender Materialkosten wird es immer wichtiger einen verlässlichen Partner für eine langfristige Zusammenarbeit zu finden. Denn gerade in den Lieferanten stecken große Erfolgspotentiale. Durch die Auswahl der Zulieferer werden die Qualität, der Preis sowie die Lieferzeit festgelegt. Folglich sollte das Ziel der Lieferantenanalyse sein, diejenigen Lieferanten auszuwählen, die den aufgestellten Anforderungen des Kunden gerecht werden.
 
Lieferantenbewertung 
 
Die Lieferantenbewertung ist angesichts der steigenden Qualitätsanforderungen und der Konkurrenzfähigkeit, für Unternehmen, unentbehrlich. Die Lieferantenbewertung umfasst die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Lieferanten. Vorrangig soll mit der Bewertung festgestellt werden, ob der Lieferant die Anforderungen des Kunden bedarfsgerecht erfüllt. Es ist sicherzustellen, dass sowohl qualitative also auch quantitative Kriterien in die Bewertung mit einbezogen werden. Ziel der Lieferantenbewertung ist es, leistungsfähige Lieferquellen sicherzustellen, um so die Wettberwerbsfähigkeit zu erhalten bzw. zu stärken.
 
Lieferantenauswahl
 
Auf der Basis der vorangegangenen Phasen trifft der Kunde in dieser Phase die Entscheidung für einen oder mehrere Lieferanten.
 
Lieferantencontrolling
 
Auf Seiten des Kunden wird in regelmäßig zeitlichen Abständen ein Soll-Ist Vergleich durchgeführt. Es wird kontrolliert, ob die vom Lieferanten durchgeführten Leistungen den Zielvorgaben entsprechen und ob die zukünftigen Anforderungen des Kunden erfüllt werden können [4].
 
 
Bedeutung des SRM für den E-Commerce 
 
Der Begriff E-Commerce bezeichnet vereinfacht nicht nur den elektronischen Handel zwischen Hersteller und Kunden sondern auch zwischen Hersteller und Lieferanten. 
Das SRM wird bei der Realisierung seiner Hauptaufgaben insbesondere durch Softwaresysteme oder das Internet unterstützt. Die Bedeutung für den E-Commerce liegt darin, dass durch beispielsweise internetbasierte SRM Lösungen, allen Beteiligten der Lieferkette der Online-Zugriff auf alle relevanten Daten ermöglicht wird. Die vergangene Punkt-zu-Punkt Kommunikation wird dadurch gebrochen und die Beteiligten können so nahezu jede Information zu jeder Zeit erhalten und austauschen. Durch diese Art der Kommunikation können Netzwerke geschaffen werden und Prozessschritte bei der Beschaffung eingespart werden. Verhandlungen zwischen Geschäftspartner laufen ebenfalls schneller und einfacher ab [5].
Als Beispiel aus der Praxis wird folgendes Beispiel gewählt:
 
DaimlerChrysler - weltweites Lieferantenmanagement
 
"DaimlerChrysler hat im Jahr 2003 weltweit Güter und Dienstleistungen im Wert von € 100 Mrd. eingekauft. Um die Beschaffungsprozesse zu rationalisieren hat das Unternehmen ein auf dem Internet basierendes, internationales Lieferantenportal aufgebaut. Das "DaimlerChrysler Supplier Portal" ermöglicht eine vereinfachte und effizientere Zusammenarbeit mit den Zulieferern und verbessert die Transparenz der Geschäftsabläufe. Zum Jahresende 2003 arbeiteten bereits rund 3.800 Zulieferer in Europa und den USA mit dem neuen Lieferantenportal [...] [6]."
 
Abschließend wird an diesem Beispiel deutlich, dass Unternehmen durch die Einführung von SRM Systemen interne Abläufe bei der Beschaffung, wie beispielsweise die Qualifizierungs- und Auswahlprozesse der Lieferanten, optimiert werden können. Des Weiteren können dadurch Kosten reduziert werden und langfristige Partnerschaften aufgebaut und erhalten werden. Zudem können mit Hilfe eines internetbasierten SRM Konzepts, relevante Informationen jederzeit weitergegeben und ausgetauscht werden. Dadurch wird die Transparenz der Geschäftsprozesse für alle Beteiligten verbessert.

 
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[1] Vgl. Appelfeller (2005), S. 5
[2] marktspiegel.fh-wuerzburg.de
[3] Vgl. economics.phil.uni-erlangen.de
[4] Vgl. eb.
[5] marktspiegel.fh-wuerzburg.de
[6] economics.phil.uni-erlangen.de
 
 
Quellen
 
Appelfeller, W., Buchholz, W.: Supplier Relationship Management, Strategie, Organisation und IT des modernen Beschaffungsmanagements, 1. Aufl., Wiesbaden 2005
 
economics.phil.uni-erlangen.de: Optimales Lieferantenmanagement, in: http://www.economics.phil.uni-erlangen.de/bwl/lehrbuch/kap2/liefmgt/pdf, zugegriffen am 30.05.2010
 
marktspiegel.fh-wuerzburg.de: SRM-Systeme, in: http://marktspiegel.fh-wuerzburg.de/index.php?id=421, zugegriffen am 30.05.2010

 

 

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