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CyberCoin  (eng.); elektronische Münze (de.)

 

Ein von der amerikanischen Firma CyberCash GmbH entwickeltes Zahlungsverfahren im Internet. Das System basiert auf der problemlosen Bezahlung von Kleinstbeträgen im Bereich von 0.25USD bis 10USD (Micropayments), und eignet sich somit für den Erwerb von niedrigpreisigen Softgoods (digitale Güter). Softgoods sind zum Beispiel Onlinespiele oder Software, bei denen CyberCoin als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen kann.

Das CyberCash System besteht im Wesentlichen aus drei Bausteinen:

CyberCash Wallet: Ist die Software für den Kunden, die sogenannte „ elektronische Geldbörse“. Sie dient dem Kunden ausschließlich zur Anzeige des Kontostandes in der Wallet. Des Weiteren stellt sie eine Verbindung zum CyberCash Gateway her, wo die Authentizität und die Integrität der Nachricht überprüft werden.

CashRegister: Ist die Software für den Händler. Sie fügt zu den Zahlungsdaten des Kunden die Daten des Händlers hinzu und überträgt das gesamte Datenpaket an das CyberCash-Gateway. Sie stellt somit die virtuelle Kasse des Händlers dar.

CyberCash-Gateway: entschlüsselt die empfangenen Daten und überträgt den entsprechenden Betrag auf das Konto des Händlers beziehungsweise lehnt die Transaktion bei Abweichungen ab. Des Weiteren prüft es die eingehenden Daten auf Korrektheit und leitet die Daten an die Bank weiter. Es fungiert somit als Schnittstelle zwischen Internet und Kreditinstituten

 

Das Aufladen der CyberCoin Wallet – Aufladungsverfahren

Die Voraussetzung für die Nutzung des CyberCoin-Systems ist die Installation der CyberCash-Software. Diese ist frei erhältlich und kann vom Server ausgewählter Kreditinstitute auf den eigenen Rechner geladen und installiert werden. Einzige Voraussetzung ist, dass das jeweilige Kreditinstitut an das CyberCashsystem angeschlossen ist. Nachdem der Nutzer das Konto eröffnet hat, kann er online angeben, wie viel er von seinem Konto in seine Wallet, auf ein bei der Bank geführtes CyberCoin Schattenkonto (Virtuelles Konto), übertragen möchte.

Die 3 Schritte der WalletaufladungAbb. 1:  Die vier Schritte der Wallet Aufladung (Vgl.  Gora W., Handbuch Electronic Commerce)

Schritt1:                                                                                                                                                    

Das hierbei entstehende Datenpaket wird verschlüsselt zum Gateway übertragen. Diese Daten werden dann vom Gateway entschlüsselt, auf Korrektheit überprüft und an die Bank gesendet.

Schritt2:

Nach erfolgreicher Prüfung wird dem Kunde der entsprechende Wert in Form von CyberCoins in seiner Wallet gutgeschrieben. Sollten Abweichungen auftreten, so wird der Vorgang automatisch abgebrochen. Wird die Aufladung zum ersten Mal durchgeführt, so kann diese erst nach Bestätigung über den ordnungsgemäßen Zahlungseingang auf dem Verrechnungskonto (agency account) erfolgen.

Schritt3:

Die Zahlungsaufträge werden an das Kreditinstitut, welches das Verrechnungskonto (agency account) führt, weitergeleitet.

Schritt4:

 Abhängig davon, ob der Kunde sein laufendes Konto, Kontokorrent- oder Girokonto bei einer an das CyberCash System angeschlossene Bank unterhält oder nicht, sind 2 Optionen möglich:

1. Eine direkte Belastung seines Kontos und Gutschrift auf das entsprechende Verrechnungskonto bei einer an das System angeschlossenen Bank.

oder

2. Der Einzug des Geldbetrages durch ein Lastschriftverfahren, wenn der Kunde sein laufendes Konto bei einer anderen Bank führt.

Während des gesamten Vorgangs befinden sich die CyberCoins jedoch immer nur auf dem Rechner der CyberCash GmbH und werden in der Software des Kunden („Wallet“) nur gespiegelt. Denn sowohl der Cash-Container („virtuelles Konto“) des Kunden als auch der des Händlers befinden sich auf dem CyberCash Gateway, welche sich auf dem Server der CyberCash GmbH befindet und von dieser betrieben wird.

 

Einkaufen mit CyberCoin - Bezahlverfahren

Nach erfolgreicher Aufladung der Wallet hat der Kunde die Möglichkeit, ein Softgood zu erwerben und diese mit CyberCoins zu bezahlen. Der Bezahlungsvorgang vollzieht sich in folgenden Schritten:

Die 5 Schritte des Zahlungsverfahrens

Abb. 2: Die 5 Schritte des Zahlungsvorgangs (Vgl.  Gora W., Handbuch Electronic Commerce)

 

 

Schritt 1:

Der Käufer gibt per Mausklick eine Bestellung ab. Daraufhin überträgt der Händler das gewünschte Gut sowie eine Zahlungsaufforderung an den Käufer. Dieses Gut ist jedoch mit einem Freischaltungscode gesichert, den der Kunde erst bei Ende der Transaktion, also nach erfolgter Zahlung erhält. Somit ist das Gut derzeit noch unbrauchbar für den Käufer.

Schritt 2:

Der Käufer bestätigt die Zahlungsaufforderung per Mausklick und die Zahlungsdaten werden verschlüsselt zum Händler übertragen. Die Verschlüsselung der Daten erfolgt unter Verwendung des RSA-Verfahren (1024 Bit), um die Daten vor Einsicht des Händlers zu schützen.

Schritt 3:

Der Händler bzw. das CashRegister des Händlers fügt zu den Zahlungsdaten des Kunden seine Daten hinzu und überträgt das gesamte Datenpaket an das CyberCash-Gateway.

Nach Eingang der Daten, werden diese vom Gateway entschlüsselt und verglichen. Bei Inkongruenz wird die Transaktion abgelehnt.

Schritt 4:

Sind alle Daten korrekt, wird vom Schattenkonto des Kunden der entsprechende Betrag auf das Verrechnungskonto des Händlers übertragen. Anschließend erhält der Händler die Bestätigung des abgeschlossenen Bezahlvorgangs.

Schritt 5:

Der Händler teilt dem Käufer mit, dass die  Bezahlung erfolgt ist und überträgt ihm den Freischaltungscode. Erst jetzt kann der Käufer das erhaltene Gut auch benutzen und der Händler hat die Möglichkeit, die eingenommen Beträge auf sein Girokonto zu überweisen. Damit ist die Transaktion vollständig abgeschlossen.

Vorteile:

  • Wahrung der Anonymität, da kein Einblick der Bank oder des Händlers in die persönlichen Daten möglich, da verschlüsselt.
  • Der Händler erhält eine Zahlungsgarantie durch die Bank
  • Kostengünstiges Verfahren (zwischen 8-31 Cent), da hohe Transaktionskosten entfallen
  • Schnelles Verfahren, da Wertübertragung in Echtzeit (10-15  Sekunden)
  • Die Nutzung des CyberCoin-Verfahrens ist kostenlos für den Käufer, da der Händler die Transaktionskosten entrichtet.

 

Nachteile:

  • Geringe Verbreitung
  • Geschlossener Benutzerkreis
  • Umstand: Software muss erst auf den eigenen Rechner geladen und installiert werden

 

Fazit

CyberCoin stellt ein Spiegelbild des Gironetzwerkes auf Internetebene“ dar.

Das CyberCoin System ist ein seit 1997 erprobtes Verfahren und stand in großer Konkurrenz zu Ecash von der Firma digicash. Ende des Jahres 2000 jedoch mussten beide Verfahren mangels Kundeninteresse vom Markt genommen werden. Nach offiziellen Angaben haben weniger als 10.000 Surfer eine Wallet installiert und nur etwa 300 Händler CyberCash als Bezahlmethode angeboten. Seit Anfang des Jahres 2001 bietet die CyberCash GmbH bietet den Händlern stattdessen an, den sogenannten POSH-Service (Point-of-Sale Händlerterminal) in ihren Web-Shops zu integrieren, wobei die Kommunikation nach dem Verfahren Secure Sockets Layer (SSSL) verschlüsselt wird. Vorteil bei diesem Verfahren ist, dass keine Software installiert werden muss. Des Weiteren können Händler, die bisher das CashRegister genutzt haben, ihr System ohne Integrationsaufwand umstellen.

 

Quellen:

 

Gora, W.: Handbuch Electronic Commerce: Kompendium zum elektronischen Handel

Kröger, D., Gimmy, A.D.:Handbuch zum Internetrecht: Electronic Commerce-, Informations-, Kommunikations- und Mediendienste, 2.Auflage

Kissling, J., Hoeren, T. und Holznagel B. (Hrsg.), 2003: Schriften zum Informations- Telekommunikations-, und Medienrecht – Zahlung mit elektronischen Werteinheiten, Band 24

Rohland, O. 2000: Kompaktwissen E-commerce für kleine und mittlere Unternehmen, Düsseldorf

Computerwoche: Cybercash schließt seine elektronische Geldbörse, in: http://www.computerwoche.de/heftarchiv/2001/1/1062599/, zugegriffen am 27.05.2010

CyberCash Deutschland GmbH: CyberCoin, in: http://www.mmconcept.de/work/ws2/ecom/payment/cybercash/cybercoin.html, zugegriffen am 27.05.2010

Hirschmann, B. und Wolf, M.: Elektronische Zahlungssysteme im Internet, in: http://www.it.hs-esslingen.de/~schmidt/vorlesungen/kryptologie/seminar/ws9798/html/ezs/ezs-7.html, zugegriffen am 27.05.2010

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Walletaufladung.JPG14.63 KB