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Definition von Page View

In der allgemeinen Verwendung sind Page Views als Page Impressions bekannt. Aus diesem Grund wird im Folgenden der Begriff Page Impression, abgekürzt PI oder PIs (Plural), verwendet.

PIs bezeichnen die Zahl, wie oft eine vollständige HTML-Seite durch Besucher aufgerufen wurde. Damit sind PIs ein Maß für die Nutzung einzelner Seiten eines Web-Angebotes […]“ (FÖRSTER, KREUZ 2002, S.219) und dienen zur Beurteilung des Erfolgs von Webseiten. Die Summe aller Webseiten-Aufrufe gibt also Auskunft über die Intensität, mit der eine Seite genutzt wurde. Als PI wird bereits die Änderung des wesentlichen Teils auf dem Bildschirm bezeichnet, während die Navigation und das Basislayout unverändert bleiben. Das heißt, dass der Aufruf einer neuen Seite oder neuer Seitenteile als PI gewertet werden.   

 

Die Entstehung der PI

Historisch entstand der Begriff in den späten 90er Jahren. Damals setzten sich Webseiten aus so genannten Frames zusammen, wobei beim Aufruf einer Seite drei bis vier HTML-Seiten gleichzeitig aufgerufen wurden. Aufgrund des technischen Aufbaus eines Internet-Angebotes waren Verfälschungen der Nutzungszahlen zu erwarten. Zur Vermeidung solcher Verfälschungen einigte sich die Internet-Branche auf die Definition von PIs. Heute kommen Frames kaum noch vor, sodass die Anzahl der PIs wieder den HTML-Seitenaufrufen entsprechen.

 

Vorraussetzungen für PIs

Um als PI gezählt und einem bestimmten Angebot zugeordnet zu werden, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

          Die Seite muss den FQDN (fully qualified domain name)des Angebotes tragen. Das heißt, dass die Seite den vollen Domainname eines Systems, bestehend aus Hostname und Domäne beinhalten muss. Beispiel: www.beispiel.com

          Die Seite muss in „Look and Feel“ oder durch eine eindeutige und offensichtliche optische Kennung zum Angebot gehören.

          Jeder Seitenaufruf darf nur einmal gezählt werden.

          Der Aufruf der Seite muss nutzerinduziert sein.

Unter nutzerinduziert ist jede Aktion eines Nutzers zu verstehen, die darauf ausgerichtet ist, eine Seite anzufordern, mit der Erwartung, eine wesentliche Veränderung des Seiteninhaltes zu bewirken. Darunter fällt beispielsweise der Aufruf einer neuen Seite oder neuer Seitenteile, ausgelöst durch das Klicken mit der Maus oder durch die Tastatureingabe.

 

Bedeutung der PI im E-Commerce

Im E-Commerce kommt der PI eine enorme Bedeutung zu, da Unternehmen die Beliebtheit einzelner Produkt-Angebote in ihrem Online-Shop an den PIs der jeweiligen Seite fest machen und ihre Strategien danach ausrichten.

Am Beispiel von Amazon.com Inc. lässt sich die Bedeutung von PIs im E-Commerce erklären. Das Konzept des Händlerprogramms von Amazon, Amazon Advantage, beruht auf Kommission. Die gelagerten Artikel bleiben also bis zur Kundenbestellung Eigentum der Lieferanten. Erhebliche Kostenfaktoren bei Großhandelsunternehmen stellen die Logistik- und Lagerkosten dar. Amazon nutzt die PIs ihrer Webseite um Lager- und Logistikkosten der Händler zu reduzieren. Anhand der PIs wird der aktuelle Kundenbedarf für die Produkte ermittelt und an die Lieferanten weitergeleitet. Mit Hilfe dieser Information können die Lieferanten von Amazon unnötige Logistik- und Lagerkosten vermeiden.

 

Kritik an der PI

Unter Profis gilt die PI zur Einschätzung der Popularität einer Webseite als umstritten. Ein Kritikpunkt der PIs liegt in der Nutzung von Proxy-Servern. Diese Server dienen zur Zwischenspeicherung von stark genutzten Internetseiten. Es besteht die Möglichkeit, dass PIs aus dem Speicher und nicht dem aktuellen Content-Server abgerufen werden. Das könnte zur Folge haben, dass die Zahl der PIs geringer ausfällt, als sie eigentlich ist.

Problematisch bei der Zählung der PIs ist, dass ein und derselbe Besucher einer Webseite mit jedem wiederholten Besuch einer Seite, erneut eine PI erzeugt. Bei einer Bilderschau mit verlinkten Fotos, die jeweils auf eine neue, eigenständige Seite mit einem Foto führt, kann für jedes aufgerufene Bild eine PI verbucht werden. Auch wenn alle Seiten im Rahmen eines einzigen Besuchs bei dem jeweiligen Netzangebot aufgerufen werden. Es können also mehr PI verzeichnet werden als eigentlich getätigt wurden.

Viele Kritiker ziehen zur Einschätzung der Popularität einer Webseite Visits (engl.) “ Besuche (de.) als Maß zur Beurteilung vor. Bei Visits wird jeder Besucher innerhalb von 30 Minuten nur einmal gezählt, egal wie viele Webseiten er bei seinem Besuch aufruft. 

 

Entwicklung von Page Impressions

Der US-Medienprofessor Jeff Jarvis ist für seine oftmals eintreffenden Voraussagen bekannt. 2007 erklärte er PIs für tot.

Heute nehmen sich auch hohe Gremien, wie die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW), den Kritikpunkten der PIs an. Die IVW versprach dem Markt, für die monatlich ermittelten Leistungswerte von Online-Nutzungsdaten eine neu strukturierte und erweiterte Ausweisung zur Verfügung zu stellen.

„Die Gesamtliste mit allen IVW-geprüften Angeboten enthält dann ausschließlich Angaben zu den ermittelten Visits. Die Einzelausweisung der Angebote wird um weitere Leistungswerte nach der neuen Messgröße "Kategorien-Visits" ergänzt. Sämtliche nach der Messgröße "PageImpressions" erhobenen Daten finden schließlich innerhalb der monatlichen IVW-Veröffentlichung in der Einzelausweisung der Angebote ihren neuen Platz.“ (http://www.ivw.de/index.php?menuid=0&reporeid=271 2009)

 Abb.: Visit verdrängt PI

  Abb.: Visit verdrängt PI

Laut IVW bleiben auch in Zukunft die von der IVW geprüften Page Impressions ein Faktor zur Darstellung der Online-Nutzungsdaten. Die aktuelle Homepage der IVW zeigt in ihrer monatlichen Ausweisung die Online-Nutzung Deutschlands in der Messgröße Visits und PIs an. Die zusätzliche Darstellung nach PIs lässt vermuten, dass eine Ablösung der PI durch Visits auch drei Jahre nach der Prophezeiung von Jeff Jarvis nicht eingetroffen ist. Fraglich ist, ob die PI jemals als Maß für die Popularität einer Webseite verschwinden wird. Beispielsweise zeigt das Verhältnis von PIs zu Visits wie viele Webseiten ein Besucher im Durchschnitt anschaut. Damit sind beide Kennzahlen ein wichtiges Maß zur Beurteilung der Attraktivität einer Website für Besucher.

Letztendlich kann vermutet werden, dass Visits in Zukunft zur Beurteilung des Erfolgs von Webseiten an Bedeutung gewinnen und dadurch die Bedeutung der PIs abnimmt.

 

Quellen:

Förster, Anja/ Kreuz, Peter (2002): Offensives Marketing im E-Business, Loyale Kunden gewinnen – CRM potenziale nutzen, Berlin Heidelberg

Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) (2009): Anlage 1 zu den IVW-Richtlinien für Online-Angebote http://daten.ivw.eu/download/pdf/Anlage1_Richtlinien_v2_2.pdf (zugegriffen am 25.05.2010)

Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) (2009): http://www.ivw.de/index.php?menuid=0&reporeid=271 (zugegriffen am 28.05.2010)

Javis, Jeff (2007): The need for a measurement summit, http://www.buzzmachine.com/2007/02/06/the-need-for-a-measurement-summit/ (zugegriffen am 29.05.2010)

Manschwetus, Uwe/ Rumler, Andrea (Hrsg.) (2002): Strategisches Internetmarketing: Entwicklungen in der net-economy, Wiesbaden

Pursche, Stefanie/ Schmalz, Gisela/ Wäscher, Till (2010): Amazon.com Inc., http://www.mediadb.eu/datenbanken/online-konzerne/amazoncom-inc.html (zugegriffen am 28.05.2010)

Schwarz, Torsten (2008): Leitfaden Online-Marketing: Das kompakte Wissen der Branche, 2. Auflage, Heusenstamm