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Definition

Der Begriff "Mobile Payment" (MP) ist die englische Übersetzung für das mobile Bezahlen. Eine mögliche Definition dafür wäre nach Contiu und Martignoni die Übertragung eines finanziellen Anspruchs einer Person durch ein mobiles Endgerät (z.B. Handys, Smartphones), wobei das mobile Endgerät die Übertragung initiiert und / oder bestätigt. (Contiu/Martignoni 2003, S.59)

Charakteristisch für das MP ist die Möglichkeit des Zahlunsverkehrs an jedem Ort zu jedem Zeitpunkt. Grundlage dafür ist die kabellose Kommunikation per Mobilfunk, die das mobile Endgerät ermöglichen soll.

MP wird im Bereich Mobile Commerce (M-Commerce) eingesetzt, welcher ein Bestandteil des Electronic Commerce (E-Commerce) darstellt. Durch diese Abgrenzung lassen sich zwei verschiedene Ansätze des MP unterscheiden:

1. Die Anpassung bestehender Zahlungssysteme des E-Commerce auf mobile Geräte. 

2. Die Entwicklung neuer Zahlungsverfahren speziell für mobile Geräte.

Dem ersten Ansatz entsprechend fallen viele E-Commerce Zahlungsarten, wie z.b. Kreditkartenzahlung oder Lastschriftverfahren auch unter die mobilen Zahlungsarten, sofern sie unter Verwendung eines mobilen Endgerätes durchgeführt bzw. bestätigt werden.

Für mobile Geräte, die den GSM- oder UMTS-Dienst (Netzwerk zum mobilen Telefonieren und andere Dienste) nutzen, ist die zweite Lösung interessanter, da hier die Authentifikation des Mobilfunknetzes genutzt werden kann. Auch die Abrechnung lässt sich über die Telefonrechnung realisieren (Meier/Stormer 2005, S.190)

Klassifikation der MP-Lösungen

Die Klassifikation der MP-Lösungen ist identisch mit der E-Payment-Lösungen. Im Folgenden wird der Klassifikationsansatz von Meier und Stormer herangezogen:

  1. Höhe des Betrags: Es wurden drei Klassen Picopayment, Micropayment und Macropayment definiert. Lösungen für kleine Beträge (weniger als 1 Cent bis 1 Euro) befinden sich in der Picopayment-Klasse. Diese Lösungen sind z.B. für den Betrieb einer kostenpflichtigen Website geeignet. Beispielsweise bezahlt der Besucher der Website einen kleinen Betrag von etwa 10 Cent, um die Inhalte der Website anzusehen. Die Micropayment-Klasse enthält MPO-Lösungen für Beträge zwischen 1 Euro und 10 Euro. Payment-Lösungen für größere Beträge werden in die Macropayment-Klasse eingestuft. Eine Klassifizierung ist deshalb sinnvoll, da für jeden Zielmarkt eine andere Nutzeranforderung besteht. Hierbei spielen Sicherheit/Anonymität und Nutzerfreundlichkeit eine große Rolle.
  2. Zeitpunkt der Zahlung: Hierbei unterscheiden sich drei Variaten: Pre-Paid, Pay-Now und Pay-Later. Bei der Auswahl der Zahlungsvarianten in diesem Klassifikationsmerkmal muss die Waage zwischen Nutzerfreundlichkeit und Zahlungsausfallrisiko gehalten werden, um maximalen Umsatz und minimalen Kundenverlust zu generieren.
  3. Technologisches Konzept: Payment-Lösungen lassen sich hierbei zwischen der Abrechnung und der Art der Speicherung des elektronischen Geldes differenzieren. Dieses wird auf einem Konto abgelegt oder in Form von virtuellen Münzen in Software oder Hardware gespeichert.
  4. Anonymität: Je nach dem, ob der Verkäufer nach einer Transaktion über Daten des Käufers verfügt bzw. ob der Käufer seine Daten bei einer Transaktion angeben muss, wird der Zahlungsvorgang als anonym und nicht anonym eingestuft (Meier/Stormer 2005, S.140)

Weitere Klassifizierungsmerkmale wie z.B. Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Kompatibilität wurden von Meier in einer früheren Analyse des MP genannt, die im Wesentlichen in die vier oben genannten Merkmalen einfließen.

Basierend auf den Klassifizierungsmerkmalen und den Rahmenbedingungen des MP lassen sich generell folgende Vorteile auf der Anbieter- bwz. Verkäuferseite und Nachfrager- bzw. Käuferseite erschließen:

Vorteile auf der Anbieterseite:

  • Zuverlässige Ortsbestimmung der Kunden
  • Ständige Erreichbarkeit der Kunden
  • Vereinheitlichung durch wenige Standards
  • Personalisierung und One-to-One-Beziehungen
  • Erhöhte Sicherheit im Zahlungsverkehr

Vorteile auf der Nachfragerseite:

  • Ortsunabhängigkeit und Routing
  • Ständige Verfügbarkeit der Dienste
  • Interaktivität und Individualität
  • Multimedialität (Text, Audio und Video)
  • Geschwindigkeit und Komfort (Kollmann 2009, S.17)

Ablauf des MP anhand eines Beispiels: mpass

MP-Verfahren können nicht nur für den Online-Einkauf genutzt werden. Beispiele für weitere Einsatzmöglichkeiten von MP-Verfahren sind das Aufladen von Prepaid-Handys, der Warenkauf am Automaten oder im Ladengeschäft, das Herunterladen von Software, Klingeltönen oder elektronischen Tickets (M-Ticketing) auf das Handy, die Begleichung von Parkgebühren (M-Parking), oder der Geldtransfer an andere Handybesitzer (Person-to-Person-Zahlungen). (Stahl/Krabichler/Breitschaft/Wittmann 2008, S.122) Viele der MP-Verfahren basieren auf die Technologie, Near Field Communication, ein Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken. Für die Zukunft ist die Weiterentwicklung und die Verbreitung dieser Technologie im MP Bereich vorauszusagen. 

Mpass ist ein Bezahlverfahren, das von den Mobilfunkbetreibern Vodafone und O2 entwickelt wurde und seit Herbst 2008 in Deutschland zur Verfügung steht. Mit dem Verfahren können alle Handy-Besitzer bezahlen, die Kunden eines deutschen Mobilfunkanbieters und Inhaber eines deutschen Girokontos sind. Das Verfahren kombiniert das Lastschriftverfahren mit einer SMS-Zahlungsbestätigung. In der folgenden Grafik soll der Ablauf eines solchen Bezahlvorgangs mit mpass dargestellt werden:

Mobile Payment

 

Durch die Grafik wird der Vorteil des Verfahrens erkennbar, nämlich die Anonymität des Kunden gegenüber dem Händler. Weder Konto- noch sonstige persönliche Daten wie Name, Adresse, Alter oder Geschlecht werden dem Händler übermittelt. Trotzdem wird die Sicherheit des Zahlungserfolgs für den Händler durch die Risikoübernahme durch den Mobilfunkbetreiber gewährleistet. Für den Kunden bedeutet das Verfahren Komfort und schnelle Abwicklung der Transaktion. Im Gegensatz zum E-Payment im Desktop E-Commerce wird zumindest in diesem Verfahren kein Internetzugang benötigt. In Anbetracht der Tatsache, dass Mobilfunkgeräte wie Handys wesentlich verbreiteter ist als der Internetzugang, ist die Vermutung zu erschließen, dass die Nutzung des MP sich stärker und schneller durchsetzen wird. 

Perspektiven des MP

Trotz der oben genannten Vorteile des MP konnte sich das mobile Bezahlen in Deutschland nicht durchsetzen. 

Der wichtigste Grund dafür ist der fehlende Bekanntheitsgrad der Verfahren und somit die mangelnde Nutzungshäufigkeit. Aus diesem Grund haben sich bereits viele MP-Provider aus dem Makrt zurückgezogen, darunter paybox und Simpay.

Ein weiterer wichtiger Grund für das nicht Funktionieren des MP liegt in der hohen Komplexität der Technik. Für jeden Anwendungsfall muss ein anderes spezielles System verwendet werden. Die vielen Insellösungen verwirren die Kunden und verursachen Hemmung der Nutzung.

Zur Schaffung allgemeiner Standards im MP Bereich wurden viele Initiativen gegründet, darunter National Roundtable M-Payment, Mobile Payment Referenz Modell durch Uni Augsburg und Secure Mobile Payment Service (SEMOPS). Ziel dieser Initiativen ist die Entwicklung eines standardisierten Modells für MP sowie die Verbreitung des MP im deutschen E-Commerce Markt. 

Eine Studie von mobile Zeitgeist zeigt, dass es in 2012 weltweit 190 Millionen Nutzer von MP geben wird - ein Wachstum von 340,84% im Vergleich zu 2008 (43,1 Millionen Nutzer). Dies macht mehr als deutlich, dass Mobile Commerce ein chancenreicher Zukunftsmarkt ist. Auch in vielen asiatischen Ländern ist die Nutzung des MP bereits weitverbreitet. Pionierländer sind z.B. Japan und Südkorea. 

Für Deutschland heißt das also, diesen Markt nicht aus den Augen zu verlieren, gemeinsam einheitliche Lösungen entwickeln und von den Bestpractices zu lernen.

 

Quellen:

 

T. Kollmann: E-Business-Grundlagen elektronischer Geschäftsprozesse in der Net Economy, 2009, 3. Aufl.

R.Teichmann, M. Nonnenmacher, J. Henkel: E-Commerce und E-Payment, 2001

R. Geer, R. Gross: M-Commerce – Geschäftsmodelle für das mobile Internett, 2001

F. Humpert, A. Meier: Mobile Commerce, Heidelberg 2001

J. Zobel: Mobile Business und M-Commerce – die Märkte der Zukunft erobern, München 2001

A. Meier: E-Business & E-Commerce – Management der digitalen Wertschöpfungskette, Berlin 2005

http://www.understanding.ch/docs/20100311_Zusammenfassung_MP_Event_DE.pdf

http://www8.informatik.uni-erlangen.de/IMMD8/Lectures/WEB/seminar/WS2005-2006/sources/MobilePayment-HannesHofmann.pdf

http://www.ecc-handel.de/besonderheiten_des_m-commerce.php

http://www.mobile-zeitgeist.com/2009/05/29/studie-mobile-payment-waechst-um-70-prozent-in-2009/

http://www.teltarif.de/i/mobile-payment.html

http://www.commercemanager.de/magazin/artikel_1650_mobile_payment.html

http://www.focus.de/digital/handy/mobile-payment-mit-dem-handy-bezahlen_aid_403733.html

 

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