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Web 2.0

Im Jahr 2005 beschreibt der US-Verleger Tim O'Reilly die Entwicklung und die veränderte Nutzung des Internets seit Beginn der 90er Jahre. Den Wandel unterteilt er in die drei Stufen Web 0.0, Web 1.0 und das heutige Web 2.0.

Während das Web 0.0 im Wesentlichen der Verbreitung von Informationen diente, aber auch schon die ersten einfachen Datentransfers beinhaltete und die ersten Ansätze bot, Produkte zu verkaufen, gibt es seit Web 1.0 bereits dynamische Websites wie E-Shops und Diskussions-Foren. Den Schwerpunkt des heutigen Web 2.0 bilden interaktive Communities, auf deren Kommunikationsplattformen Ideen, Vorstellungen, Fotos, Videos, Daten, Software und natürlich immer noch Informationen ausgetauscht werden. Das bedeutet, dass das heutige Internet in seiner Web 2.0 Ausprägung mit seinen technischen und wissensbasierten Möglichkeiten bzw. Angeboten nicht nur der Informations- und Wissensvermehrung dient, sondern auch soziale Beziehungen zwischen den Nutzern fördert.

Tim O´Reilly ordnet dem Web 2.0 sieben Prinzipien zu, die die heutigen Anwendungen des Internets definieren.

(1) Zunächst ist das Internet ein allen Menschen zur Verfügung gestelltes Dienstleistungsangebot.

Während die Daten anfänglich von den Seitenbetreibern nur in Form von statischen Inhalten zur reinen Kenntnisnahme zur Verfügung gestellt werden konnten, gilt es heute, interaktive Services anzubieten. Das eröffnet dem Nutzer die Möglichkeit der gezielten Selektion, der aktiven Teilnahme bis hin zum Eingreifen und der Einbringung eigener Inhalte. Dabei sind keine besonderen Computer-Fachkenntnisse oder gar Kenntnisse von Programmiersprachen nötig; die Internetseiten der Anbieter bzw. die Anwendungen auf den Multimedia-Geräten bieten den Nutzern vorgefertigte Möglichkeiten der Steuerung, des Reagierens und der Kommunikation.

Auf Anbieterseite erfordert dies allerdings eine ständige Aktualisierung des Datenpools und Verbesserung bzw. Erweiterung der Möglichkeiten, d.h. eine permanente Administration, eine kontinuierliche Arbeit an den Datenbanken und der Software.

(2) Das heutige Web 2.0 bedient sich der kollektiven Intelligenz. Der aktive und mitgestaltende Nutzer bringt sein Wissen mit ein. Das originär dezentrale Wissen wird im Internet gebündelt und von allen genutzt. Das gemeinsame Schaffen von Inhalten wird auch Crowd Sourcing genannt.

Durch die laufende Bewertung der Inhalte seitens der breiten Masse kommt es zu einer genaueren Filterung der Informationen. Auf Grund ständiger Kontrolle und Korrektur wird eine hohe Quote der Richtigkeit gewährleistet. Die zugrunde liegenden, bearbeiteten bzw. laufend erweiterten Datensätze erfahren damit eine permanente Verbesserung. Die besten Datensätze erfahren ein Ranking, d.h. sie werden dann auch am meisten genutzt.

Beispiele für die Nutzung kollektiver Intelligenz sind Blogs oder die Online-Enzyklopädie Wikipedia

(3) Die gesammelten Daten werden aber auch als Kapital betrachtet. Seitens eines Anbieters bzw. Betreibers einer Anwendung wird ein großer Wert gelegt auf Einzigartigkeit, Qualität und Quantität der Datensammlung. Ein erfolgreicher Internetservice beruht schließlich darauf, Daten zu sammeln, sie in einer Datenbank abzulegen und sie in ständiger Aufbereitung zur Verfügung zu stellen – zur  Weiterverarbeitung für Interessenten bzw. Nutzer. Daraus resultiert, dass ein Internetservice nur so gut ist, wie die Daten, die dahinter stecken.

Bei optimaler Bereitstellung kann sich ein Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen. Der Erfolg ist allerdings immer abhängig von der Anzahl der Nutzer. Je mehr Menschen ihn nutzen, desto mehr gewinnt die Dienstleistung an Bedeutung. Ein Beispiel dafür, dass die Daten das Kapital des Unternehmens sind, ist Amazon, deren Datensammlung im Hinblick auf Vollständigkeit Maßstäbe setzt.

(4) Als weiteres Prinzip beschreibt O´Reilly die Software ohne Lebenszyklus. Im Gegensatz zur klassischen Software, die ein statisches Produkt ist mit gelegentlichen Updates (Verbesserungen/Änderungen) und vom Anwender gekauft werden muss, hat die Internet-Software in der Web 2.0 Ära die charakteristische Eigenschaft eines Services. Die einzige Vor-Ort-Software, die der Anwender benötigt, ist ein Internet-Browser. Alles andere wird im Hintergrund (auf Server-Seite) von Seiten der einzelnen Anbieter rund um die Uhr angepasst. So ergibt sich also eine dynamische Softwareentwicklung unter möglicher Mitwirkung der Nutzer in Echtzeit, d.h. dass jegliche Änderungen sofort vom Anwender wahrgenommen werden können.

Natürlich geht der Ehrgeiz der Entwickler dahin, über ständige Pflege und Kontrolle hinaus möglichst viel Automatisierung in die Prozesse einzubringen, denn erst dort liegen die Kostenvorteile.

(5) Desweiteren ist es für viele erfolgreiche Webservices wichtig, eine möglichst offene Verwendung der Inhalte bereitzustellen. Man nennt dies das Lightweight Programming Model.

Durch offene Schnittstellen ergibt sich die Möglichkeit, fremde Anwendungen für eigene Zwecke zu verwenden bzw. mit andern Diensten zu koppeln. Die Kombinationen, also die Anpassung an spezifische Bedürfnisse, bringen dem Endanwender immer wieder neuen Nutzen. Außerdem ist bei diesen Freiheiten keiner mehr auf die Zustimmung und Koordination der ursprünglichen Anbieter angewiesen. Als Beispiel sei hier Google Maps genannt, eine Anwendung, die in beliebige andere Anwendungen implementiert werden kann.

(6) Das 6. Prinzip ist das Multiplatforming. Da die Inhalte Plattform-, also Geräte-unabhängig sind, ist das Anzeigemedium variabel. Als Endgeräte haben sich neben den Computern schon längst Handys etabliert und viele weitere Multimedia-Geräte. Für diese gibt es eine Unzahl Mini-Anwendungen (Widgets, Apps) die den klassischen Browser fast wieder überflüssig machen. Durch diese Entwicklung steht der rund-um-die-Uhr Verfügbarkeit des Internets bzw. Erreichbarkeit der Anwender praktisch nichts mehr im Wege.

(7) Das letzte Prinzip dreht sich um die Rich User Experience. Früher konnten Webdienste mit den ausgefeilten Desktop-Anwendungen kaum mithalten. Mittlerweile ist der Standard der Webanwendungen derart gestiegen, dass er viele Vorteile hat, die mit einem klassischen Programm gar nicht mehr zu realisieren sind. Als Beispiel sind hier Office- Anwendungen zu nennen, bei denen via Internet mehrere Leute gemeinsam an einem Dokument arbeiten und dieses nur noch auf einem zentralen Server abgelegt ist.

 

Fazit:

Mit Erreichen der Web 2.0 Ära ist das Internet das bedeutendste und einflussreichste Kommunikations-Medium der Welt geworden und aus der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr wegzudenken. Die eigene Internetseite ist zur unverzichtbaren Normalität geworden.

Das Internet bietet Unternehmen, Institutionen und Dienstleistern die Möglichkeit, sich weltweit und für alle jederzeit einsehbar zu präsentieren. Es bietet allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich zu äußern, Feedback zu erhalten und von der virtuellen Gemeinschaft zu profitieren.

Natürlich ist das Internet nicht nur eine große Gemeinschaft, sondern auch ein großer Wettbewerb. Auch hier bekommen nur die Besten die meiste Aufmerksamkeit und verdienen am meisten Geld; d.h. es ist ein ungeschriebenes Gesetz, sein Angebot ständig anzupassen an die aktuellen Möglichkeiten der Gestaltung. Nichts fällt so schnell durch wie eine veraltete Web-Seite. Nirgendwo sonst sind aber solche Steigerungsfähigkeiten zu erreichen wie innerhalb bzw. mit Hilfe der Internet-Mechanismen.

Das Gros der Anwender profitiert nicht nur von dem grenzenlosen Informationsangebot, den Einkaufsmöglichkeiten und dem Download von Software, Bildern, Filmen und Musik, sondern es nutzt auch die Möglichkeit, sich selber darzustellen mit einer eigenen Homepage, mit der Veröffentlichung eigener Werke oder gar Teilen des privaten Lebens. Hier zeigt sich das „Eigenleben“ des Internet, das auch problematische Seiten hat: Was einmal veröffentlicht wurde, ist nur schwer zu entfernen. Es „gehört“ quasi dem Net.

Das wichtigste aber ist die Kommunikation, der Austausch untereinander. Das Internet hat sogar die Kommunikation von Leuten etabliert, die sich überhaupt gar nicht kennen und die sich nie persönlich begegnen werden. Ferner erlaubt es neben der Nutzung eine noch vor wenigen Jahren für die meisten unvorstellbare Teilnahme und Einflussnahme des Einzelnen an der Weiterentwicklung aller Dinge, die ihn interessieren. Man muss das Angebot zum Mitmachen nur annehmen.

 

 Tag-Cloud Web 2.0

Abb 1: Tags des Web 2.0 (Quelle: http://www.wbm-design.de/wcms/services/web-2-0/)
 

 

 Quellen:

http://cdli.ucla.edu/wiki/doku.php/web_2.0

http://www.itwissen.info/definition/lexikon/Web-2-0-web-2-0.html

http://oreilly.com/web2/archive/what-is-web-20.html

http://www.pytheway.de/index.php/web-20

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/web-2-0.html