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Die Geschichte des Internet

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Was hat der Typ mit dem Internet zu tun? Am Ende meines Überblicks werden Sie das erfahren.

Kennt ihn jemand? " Es ist kein Jugendbild von mir! Er war berühmt, aber doch bescheiden, denn er führte seine Erfolge auf die Arbeiten seiner Vorgänger zurück. Eine neue Technik ist niemals auf Einzelleistungen gegründet, sondern das Ergebnis der Anstrengungen vieler Menschen.

Nun will ich Ihnen nicht hauptsächlich Erfinder vorstellen oder eine Geschichtsstunde geben. Sie werden einige wesentliche Arbeiten kennen lernen und in dem Zusammenhang auch die Personen, die zu der neuen Kommunikationstechnik beigetragen haben.

Die Wurzeln des Internets reichen in die sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die meisten Historiker setzen den Startschuss für die Entwicklung des Internet auf den ersten erfolgreichen Satellitenflug der Russen im Jahre 1957. Von den Amerikanern wurde das als Niederlage empfunden, die sie tief in ihrer Ehre traf. Deshalb gründeten Sie ARPA, Advanced Research Projects Agency mit dem Ziel, alle Aktivitäten der Microelectronic, der Materialwirtschaft und der Sozialwissenschaften zusammen zu führen. Man wollte alle wissenschaftlichen Kräfte bündeln.

Tatsächlich geht die Entwicklung der Kommunikation zwischen Computern weiter in die Vergangenheit zurück. Die Geschichte des Internet ist eine Erzählung in mehreren Handlungslinien. Zu Beginn ergründen wir den theoretischen Ursprung und fassen ihn kurz zusammen. Darauf basierend entwickelten die Wissenschaftler zunächst für den universitären Bereich ein Netzwerk der Kommunikation. Auf diesem Netzwerk basieren unterschiedliche Dienste, wie das WorldWideWeb, das Usenet, Electronic Mail und Spiele, um nur die Wichtigsten zu nennen. Diese Dienste werden heute mit dem Begriff Internet zusammengefasst.

Wir beginnen mit einigen grundlegenden Schritten aus der Vorgeschichte des Internet.

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Der theoretische Quell entspringt einer Idee von Vannevar Bush aus dem Jahre 1945. Er beschrieb in seinem Aufsatz: "As We May Think" den Austausch und die Verteilung von Informationen zwischen Maschinen. Über eine "foto-elektrisch-mechanischeâ€? Einrichtung, die Dokumente miteinander verbinden kann - mit der Hilfe von Querverweisen. Bush nannte seine Vision von einem Schreibtisch mit Bildschirm damals "Memexâ€?. Das war die Abkürzung für "memory extension" und hatte eine Erweiterung des menschlichen Gedächtnisses zum Ziel. Das war zu der Zeit eine fast utopische Vorstellung. Bush gründete auch die Kooperation zwischen Militär und Universitäten, aus der später die ARPA hervorging. Im übrigen war er Doktorvater von Claude Elwood Shannon, der wesentliche Beiträge zur informationstheoretischen Grundlage der Computerkommunikation geliefert hat.

Die Kommunikation fand bis dahin ausschließlich zwischen Menschen statt. Sie war vielschichtig, unstrukturiert und gehorchte allenfalls den Regeln der Rhetorik. Claude Shannon hat seine Informationstheorie mit der Mathematik und der Physik (Thermodynamik) verknüpft. Er arbeitete am Lehrstuhl von Norbert Wiener am MIT und prägte Begriffe wie "bit" oder die "Entropie" als Maßstab für den Informationsgehalt.

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Shannon hat Entropie als die Wahrscheinlichkeit definiert, mit der ein Zeichen in einem Text auftritt. Auf Basis seiner Formalisierungen wurden Protokolle zur Datenübertragung erfunden. Kryptografische Verfahren zur Verschlüsselungen von Nachrichten und deren sicherer Übertragung werden heute noch aus seinen grundlegenden Arbeiten angewendet.

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Heute ist die Welt mit Hilfe der Nachrichtentechnik zu einem globalen Dorf geworden. Als Vater des Gedankens eines "Global Village" ist Marshall McLuhan zu nennen, der erstmalig ein weltumspannendes Netzwerk konzipierte und die Welt in eine einzige Community verwandeln wollte. Alle sollten über ein Netzwerk von Computern miteinander verbunden sein. Er hat sich immer auch kritisch mit den Medien auseinandergesetzt. In seiner bekannten Veröffentlichung "Understanding Media" (1964) vertritt er die These, dass das Medium die Botschaft ist. Wir finden diese These heute nicht nur im Internet bestätigt.

Es gibt viele Erfolgsstories und erfolgreiche Personen in der Computerszene, die ja den Rahmen für das Internet lieferte. Ein wichtiger Organisator und verantwortliche Führungskraft war Lawrence Roberts. Er leitete die Entwicklung bei ARPA. Sein Beitrag zum Netzwerk war das Konzept für ein TimeSharing System. Und noch etwas konnte er: Er erkannte gute Leute, wenn er sie traf. So stellte er Robert Kahn an, der gemeinsam mit Vinton Serf zum geistigen Vater des TCP/IP Protokolls wurde.

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Die beiden Autoren schreiben "A Protocol for Packet Network Internetworking". In diesem Aufsatz, der ein Transmission Control Protocol (TCP) erläutert taucht zum ersten Mal der Begriff "Internet" auf.

TCP/IP ist die Abkürzung für Transmission Control Protocol und Internet Protocol. Es definiert das packet switched network in Abgrenzung und Weiterentwicklung zu dem circuit switching (Telefon) und dem message switching (Militär). Zunächst aus Gründen der Sicherheit vor allem für militärische Verwendung von Nachrichten entwickelt, wurde es zur Grundlage für das Internet.

Wir skizzieren kurz die zweite Entwicklungslinie, nämlich das WWW. Das ist vor allem die Entwicklung von User Interfaces und Konventionen für eine Internet Sprache. Die Vergangenheit ist da von einigen Kuriositäten geprägt.

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Douglas Engelbart gilt als der Erfinder der grafischen Bedienerführung. Aber nicht nur das stellte der Tüftler auf die Beine. 1960 stellte er den Prototyp "oNLine System" vor. Abgekürzt "NLSâ€?. Schon damals konnte NLS das, was man heutzutage vom Internet kennt: Browsen mit Hypertext, Links editieren, E-Mails senden. Die Computermaus war auch schon dabei. Engelbart gilt als der Erfinder der Computermaus. Das erste Modell sehen wir hier.


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Eine schillernde Figur in der Internet Landschaft ist Ted Nelson. Es soll den Begriff "Hypertext" kreiert haben. Seine Ideen sind irgendwo zwischen genial und undurchführbar anzusiedeln. Seit 1967 entwickelt er mit einer Mannschaft an einem weltweiten Literaturprojekt "XANADU". Es ist nicht fertig und weit davon entfernt, implementiert zu werden. Aber seine Arbeiten haben eine ganze Reihe von Entwicklungen inspiriert. So sollen in seinem Projekt einheitliche Namen vergeben werden, damit man Dokumente schneller finden kann. Alle Autoren der Dokumente sollen Lizenzgebühren bekommen, wann immer der Text aufgerufen wird. Ob Ted Nelson sich mit seinen 4 Prinzipien für sein Leben "Die meisten Menschen sind doof, die meisten Autoritäten sind bösartig, Gott gibt es nicht und alles ist falsch" selbst im Weg steht, ist nicht überliefert.

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Tim Berners-Lee gilt gemeinhin als der Erfinder des ersten Browsers. Er entwickelte ihn 1990 in einem Monat und übertrug das erste Hypertext Document zu seinem Kollegen Robert Cailliau zu Weihnachten 1990. Sie schrieben darüber einen Artikel: "WorldWideWeb: Proposal for a Hypertext Project". Die erste Anwendung war das Telefonbuch des CERN. Mit dieser Technologie, der zugehörigen Sprache HTML und dem HTTP-Protokoll begann der Boom des Internet.

In 1992 ging Berners-Lee auf einen dreimonatigen Trip durch die USA und traf dort auch Ted Nelson auf einem Hausboot in Sausalito. Es kam noch Tom Bruce dazu und alle drei verband die Liebe zum Theater und zum Film. So schrieben sie den ersten PC Browser namens Cello.

Der erste halbwegs professionelle Browser hieß Mosaic und wurde noch auf Berners-Lee’s Rechner entwickelt. Die ersten Entwickler, die sich von USA aus an den Browser von Berners-Lee anschlossen, blieben unbekannt. Man konnte den Browser kostenlos vom CERN bekommen und zunächst experimentierten ausschließlich wissenschaftliche Institute mit der neuen Technik. Zwei Studenten eines amerikanischen Instituts verfolgten die Sache weiter. Marc Andreessen und Eric Bina übernahmen die Entwicklung in den USA. Zuerst von ihrem Arbeitsplatz am NCSA (National Center for Supercomputer Applikation) und später mit einer eigenen Firma. Andreessen gründete gemeinsam mit Jim Clark (ehemals Silicon Graphics) das Unternehmen und das Produkt "Netscape" und startete den ersten Börsengang in den Internet Hype. Er wurde zum Liebling der Wall Street verkaufte das Unternehmen später für 4,2 Mrd. $ an AOL.

Das ging jetzt alles etwas schnell. Aber so schnell galoppieren die Amerikaner durch die Geschichte, damit sie möglichst bald an dem Punkt ankommen, wo das Internet vermarktet wird und Geld bringt. Das haben sie dann nämlich gemacht. Die wichtigen konkreten Entwicklungen wurden in der Schweiz und sogar teilweise in Deutschland vollzogen.

CERN kam eigentlich schon vor 21 Jahren ins Spiel. Tim Berners-Lee schreibt hier ein Programm für Notebooks, das einen bemerkenswerten Titel trägt: "Enquire-Within-Upon-Everything". Es erlaubt beliebige Links - und funktioniert. Aber erst zehn Jahre später darf Tim Berners-Lee richtig loslegen.

Sein Chef Mike Sendall beauftragt ihn, ein allgemeines Hypertext-Programm zu schreiben. Einen Browser samt Editor. Tim Berners-Lee nennt sein Programm "WorldWideWeb�. Beim Update kurz darauf wirkt Robert Cailliau mit. Nun gibt’s sogar einen WYSIWYG-Editor. Hier kann man Links direkt einbauen.

Weihnachten 1990 bringen die Programmierer einen Browser als Betaversion heraus, der sogar Nachrichten im Internet lesen kann. Im Februar 1991 wird der Browser einer ausgewählten Öffentlichkeit vorgestellt.

Am 17. Mai 1991 startet das Internet ganz offiziell auf den Hochleistungsrechnern des CERN. Im August werden die ersten Files auf einen FTP-Server geladen. Diese historischen FTPs tragen Namen wie "alt.hypertext�, "comp.sys.next� und "comp.text.sgml�.

Die ersten Mailinglisten entstehen. Die allererste " sie hieß "www-interestâ€? " gibt es noch heute, allerdings unter einem anderen Namen ("www-announceâ€?). Eine der ersten öffentlichen E-Mail-Adressen wird ebenfalls installiert. Sie geht als "www-talk@info.cern.châ€? in die Geschichtsbücher ein.

Nach einem Jahr richtet man einen spartanischen Dienst ein, der heute noch bekannt ist: das Telnet. Doch gleichzeitig werden bereits die ersten W3-Standards verkündet " das Multimedia-Web ist nicht mehr aufzuhalten.

Im ersten halben WWW-Jahr gibt es noch keinen Server außerhalb Europas. Und im Juni 1992 beteiligt sich die erste deutsche Forschungsstelle am Netz: das DESY (Deutsches Elektronen Synchrotron) in Hamburg.

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Im Januar 1993 gibt es bereits 50 HTTP-Server. Im Februar des Jahre stellt Marc Andreessen die erste Version seines Browsers "Mosaicâ€? vor " die erste Art von Browser, wie man sie heute kennt. Ab jetzt wird das Internet kommerzialisiert und bleibt keine Domäne der Forschungsstätten. Am 30. April 1993 gibt das CERN die Technik frei und verzichtet auf Lizenzzahlungen. Die WWW-Technik darf jeder frei benutzen. Diese Deklaration ist ein Meilenstein in der Geschichte des Internets.

Im Oktober 1993 gibt es schon über 200 registrierte HTTP-Server und das erste Internet-Projekt der EU, betrieben von der EU-Kommission, der Fraunhofer-Gesellschaft und CERN. Das Projekt heißt WISE und soll das Wissen besonders in benachteiligte Regionen Europas tragen.

Doch das Internet ist der Öffentlichkeit damals fast unbekannt. Das ändert sich erst im Dezember 1993. In der New York Times erscheint ein anderthalb Seiten langer Artikel über das Web und den Mosaic-Browser. Die englischen Zeitungen "The Guardian" und der "Economist" folgen als nächste mit weiteren Veröffentlichungen. Nun ist das neue Medium aus seiner Nische gezerrt und es beginnt ein sagenhafter Aufstieg der neuen Kommunikationstechnik. Jetzt wird jedem Leser allmählich klar: es gibt ein neues Medium, das leistungsfähiger als alle bisherigen Sendemedien ist

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Seitdem erleben wir eine Marktdurchdringung der neuen Dimension:

Zur Erreichung von 50 Millionen Anschlüssen brauchte

das Radio: 38 Jahre

das Fernsehen 13 Jahre

das Internet 4 Jahre (nachdem es öffentlich war)

Noch ein paar Erfolgszahlen.

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Die Marktdurchdringung wird grob über die Anzahl der IP-Hostadressen geschätzt. Diese Zahlen sind sogar noch genauer, als die Annahmen zu der Zahl der Internet User. Das Medium hat an Dynamik jede Basistechnik in den Schatten gestellt. Seine typischen Eigenschaften und komparativen Vorteile werden wir in separaten Beiträgen behandeln. Dort werden wir auch sehen, wie die Ökonomie von den Effizienzsteigerungen entscheidend beeinflusst wird.

Der weltweite Handel im eCommerce wächst jährlich mit einer Rate von über 100% auf ein weltweites Niveau von 2,2 Billionen $ weltweit und 102 Mrd. $ in Deutschland (Jahr 2002).

Bei aller Enttäuschung über die verfehlten Prognosen. Haben Sie eine Idee, welche Branche zur Zeit ein ähnliches Wachstum hinlegt " oder anders gefragt, haben Sie eine Idee, welche Branche überhaupt noch ein Wachstum vorlegt?

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Ich habe Ihnen hier eine andere Seite der Internet Entwicklung gezeigt. Ich habe Ihnen gezeigt, dass hinter jeder Technologie Personen stehen und oftmals Banalitäten und Zufälle.

Am Ende zeige ich Ihnen noch Personen, die maßgeblich an den Grundlagen der Entwicklung des Internet mitgewirkt haben.

Die Welt wird sich immer an die Erfinder des Internet erinnern. Sie wird sich auch an die erinnern, die das Internet zum Erfolg gebracht haben. Ohne die Kreativen haben die konventionellen Unternehmer kein Feld, auf dem sie sich erfolgreich betätigen können. Die Entdeckung oder Begründung eines neuen Paradigmas ist immer eine Entwicklung, die auf den kreativen Geist vieler Menschen gegründet ist.

Oder wie hat Sir Isaac Newton schon gesagt: "Wenn ich weiter sah als Andere, so weil ich auf den Schultern von Giganten stand"