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studiVZ – Das Studiverzeichnis

Was ist studiVZ?
StudiVZ gehört zu den so genannten social networks. Die Zielgruppe sind im Gegensatz zu anderen social networks, wie zum Beispiel Xing, Lokalisten oder MySpace, speziell Studenten. Eine Registrierung erfolgt durch die Erstellung eines eigenen Profils und ermöglicht die kostenlose Nutzung des Netzwerks.
Gegründet wurde studiVZ im Oktober 2005 von Dennis Bemmann und Ehssan Dariani und wurde Anfang 2007 für circa 85 Millionen Euro an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft. Mittlerweile hat studiVZ über zwölf Millionen registrierte Nutzer, wovon sich gut die Hälfte täglich in das Netzwerk einloggt.

Welchen Nutzen bringt studiVZ den Mitgliedern?
Kern der Wertschöpfung ist der User generated Content. Der Netzwerk-Anbieter stellt nur den virtuellen Rahmen und passt diesen laufend an technologische Neuerungen an. Den Nutzern ermöglicht studiVZ Interaktion und Kommunikation bezüglich des Studiums und des Privatlebens. Mitglieder können unter anderem Kontakte zu Freunden und Kommilitonen pflegen, neue Kontakte herstellen und mittels der Anzeige von Verbindungen zwischen den registrierten Mitgliedern Informationen über Freundesfreunde erhalten. Die Suche nach alten oder neuen Bekannten wird durch eine integrierte Suchfunktion, anhand des Namens oder über die in den Profilen hinterlegten Interessen und Lehrveranstaltungen, ermöglicht. Hat man die gewünschten Personen gefunden und diese zu seinen Freunden hinzugefügt, so kann man mit ihnen über die Pinnwand, das Senden von Nachrichten, das Gruscheln (einer Mischung aus Grüßen und Kuscheln) oder durch Nutzung des Plauderkasten (Chat mit einem Instant Messenger) kommunizieren.
Zur Darstellung der eigenen Person dienen das selbst erstellte Profil, die Fotoalben und die verlinkten Fotos (Foto-Tagging), sowie die Zugehörigkeit zu diversen Gruppen und die Größe des eigenen Netzwerks (die Anzahl der Freunde).
Mit diesen Funktionalitäten verbindet studiVZ drei typische Charakteristika des Internets auf nur einer Plattform: die zeitversetzte Kommunikation, die Interaktion unbekannter Partner und die Reduktion der Entropie.

Was ist das Geschäftsmodell von studiVZ?
Da die Nutzung von studiVZ kostenlos ist, müssen die Mitglieder Werbung auf den Seiten in Kauf nehmen. Der Nutzer kann selbst entscheiden, ob er zielgruppenspezifische Werbung angezeigt bekommen möchte (Targeting), oder lediglich allgemeine Werbebanner. Weitere Werbemitteilungen von Partnern können durch studiVZ auch über andere Kommunikationskanäle versendet werden, wie zum Beispiel per E-Mail. Da die Daten, die die Mitglieder bei studiVZ hinterlegen, sehr spezifisch sind, sind diese besonders interessant zur Nutzung für Werbezwecke, denn so können Streuverluste und Kosten weitestgehend minimiert werden. Bei der Erstregistrierung in das Netzwerk sind die Werbeeinstellungen standardmäßig alle aktiviert, können jedoch bei Bedarf jederzeit ausgeschaltet werden. Im Dezember 2007 erregte studiVZ mit der Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen großes Aufsehen. Geplant war, dass alle Mitglieder zur weiteren Nutzung der Plattform den personalisierten Werbemaßnahmen zustimmen mussten. Später wurde diese Änderung überarbeitet, so dass auch bei einem Widerspruch die Nutzung von studiVZ weiterhin möglich war.
Über die typische Werbung hinaus soll zukünftig eine Jobbörse für Studenten eingerichtet werden, in der Unternehmen Stellenanzeigen einstellen können, die sich an Einsteiger richten.
Außerdem besteht die Möglichkeit für Unternehmen Gruppen zu sponsern, in denen sich Mitglieder mit gleichen Interessen befinden, wie zum Beispiel die „Apple-Gruppe“.

Warum ist studiVZ ständig in der Kritik?
Durch die hohe Anzahl der Mitglieder, das stetige Wachstum und den daraus resultierenden prall gefüllten Datenpool ist die Plattform auch zur Verfolgung anderer Zwecke attraktiv geworden.
Es besteht die potentielle Gefahr des Datenmissbrauchs durch unberechtigte Dritte, die Profilinformationen herunterladen und für illegale Zwecke nutzen. Tatsächlich wurden im Dezember 2006 ohne Berechtigung insgesamt über eine Million Profile heruntergeladen und analysiert.
Der Zugriff auf eigene Bilder und das Profil kann für Dritte eingeschränkt werden. Da zum Beispiel Bilder jedoch in das Profil verlinkt sind, können diese mit Hilfe der URL direkt von außen angesteuert werden.
Im studiVZ Verhaltenskodex wird von den Betreibern der Plattform definiert, welche Umgangsformen und welche Inhalte grundsätzlich gestattet oder verboten sind. Trotz alledem ist es unmöglich, sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Daher ist studiVZ bei Verstößen stets auf die Mithilfe der Nutzer angewiesen.
Ein weiterer Vorwurf ist die auffallende Ähnlichkeit des Designs mit dem amerikanischen Konkurrenten Facebook. Systeminterne Fehlermeldungen, die das Wort „fakebook“ enthielten, legten nahe, dass auch den Betreibern diese Ähnlichkeit durchaus bewusst ist. Mitbegründer Ehssan Dariani nahm zu den Vorwürfen Stellung und argumentierte damit, dass studiVZ lediglich eine Kombination aus den besten Ideen der amerikanischen Plattformen darstellt und für die europäische Campuskultur angepasst und weiterentwickelt wurde. „Es würde ja heute auch niemand behaupten BMW sei eine illegitime Kopie von Mercedes, dem Erfinder des Automobils.“ (DARIANI, E. 2006)
Auch zu Beschuldigungen des „Domaingrabbings“ – der Registrierung von Internet-Adressen der Konkurrenz – mussten die Betreiber von studiVZ in der Vergangenheit Stellung nehmen. Für die betroffenen Domains wurden Löschanträge gestellt und nach einer Entschuldigung sieht man auch diesen Vorfall als erledigt an.
Ruhig wird es um studiVZ trotzdem in Zukunft nicht werden, denn die Öffentlichkeit hat sich noch lange nicht ausgeloggt.

Bist du schon drin? www.studiVZ.net

 

 

 

 

Hamann, G.: Ärger um Nutzerdaten, in http://www.zeit.de/online/2007/52/studivz, zugegriffen am 08.02.2009

Häusler, S.: Soziale Netzwerke im Internet, Entwicklungen, Formen und Potenziale zu kommerzieller Nutzung, Saarbrücken, 2007

Hauck, M.: Wer keine Werbung will, fliegt, in http://www.sueddeutsche.de/computer/842/427598/text/, zugegriffen am 08.02.2009

Hildebrandt, T.: Shopmarketing Kurzfassung.ppt, Folie 9, in http://www.vorlesungen.info/files/Shopmarketing%20Kurzfassung.ppt#282,9,Charakteristika des Internet, zugegriffen am 13.02.2009

Meusers, R.: Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf, in http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,448340,00.html, zugegriffen am 08.02.2009

Meusers, R.: Interview zu STUDIVZ „Wir begrüßen die Meinungsvielfalt“, in http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,448444,00.html, zugegriffen am 08.02.2009

Schmidt, H.: StudiVZ will am Jahresende Geld verdienen, in http://www.faz.net/s/RubE2C6E0BCC2F04DD787CDC274993E94C1/Doc~
E3500B1C9E7444FAC89C4151FA7E0CC30~ATpl~Ecommon~Scontent.html,

zugegriffen am 08.02.2009

o.V.: Daten und Fakten, in http://www.studiVZ.net/l/about_us/1, zugegriffen am 13.02.2009

o.V.: Werbeeinstellungen, in http://www.studiVZ.net/Terms/Options, zugegriffen am 13.02.2009

o.V.: studiVZ, in http://de.wikipedia.org/wiki/StudiVZ, zugegriffen am 08.02.2009